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Grenzüberschreitungen : Wie öffentlich soll Wissenschaft sein? : E-Paper der Friedrich-Ebert-Stiftung
Entstehung
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NETZWERK WISSENSCHAFT Andreas Edel, Lukas Kübler, Emily Lines, Patrizia Nanz, Katja Patzwaldt, Guido Speiser, Dorota Stasiak und Markus Weißkopf Grenzüberschreitungen: Wie öffentlich soll Wissenschaft sein? E-PAPER DER FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG Gerade in Krisensituationen(wie etwa der gegen­wärtigen COVID-19-Pandemie) und bei wichtigen Reformvorhaben wird der Rat der Wissenschaft immer stärker nachgefragt. Damit verbinden sich häufig Erwartungen, denen Forscher_innen nicht immer entsprechen können. Umgekehrt haben sich die Bedingungen von Wissenschaftskommu­nikation und wissenschaftlicher Politikberatung in den letzten Jahrzehnten stark verändert. So werden etwa hinsichtlich der digitalen Medien neben neuen Chancen auch deren Risiken deut­lich. Der Beitrag diskutiert, wie das Verhältnis von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit neu aus­gelotet werden kann. Seit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie ist die Frage, welche Rolle die Wissenschaft im politischen Diskurs spielten sollte, mit bisher nicht gekannter Vehemenz in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt. Neben der direkten Beratung der Regie­rungen durch einzelne Virolog_innen beziehungs­weise(epidemiologische) Forschungsinstitute haben sich auch die großen Wissenschaftsinstitutionen wie die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopol­dina 1 und die Präsidenten von vier außeruniversi­tären Forschungsorganisationen 2 mit Empfehlungen aktiv in die Diskussion eingebracht. 3 Wie kaum je zuvor beeinflussen wissenschaftliche Problembe­schreibungen, Daten und Bewertungen politische Maßnahmen. Es scheint, als werde das Verhältnis von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit gerade neu vermessen. Dabei hat die gegenwärtige Krisensituation kein neues Phänomen hervorgebracht, sondern den be­reits seit Längerem beobachtbaren Trend der wech­selseitigen Inanspruchnahme von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit nur verstärkt. Entschei­dungsträger_innen im politischen Raum und in Un­ternehmen suchten auch schon früher bei großen gesellschaftlichen Herausforderungen nach Wegen, ihre Entscheidungen durch externe wissenschaft­liche Expertise besser zu fundieren und zu legiti­mieren, wie beispielsweise bei der Bewältigung der steigenden Zuwanderung, beim Klimaschutz, bei der Vorbereitung einschneidender Reformen(etwa des Arbeitsmarktes oder der Altersversorgung) bezie­hungsweise in Wirtschaftskrisen. Auch in der Bevöl­kerung genießt die Forschung eine hohe Wertschät­zung. DasWissenschaftsbarometer spezial konnte sogar einen gestiegenen Vertrauensvorschuss für die Wissenschaft im Falle der gegenwärtigen Pandemie in den Befragungen nachweisen. 4 Umgekehrt wirk­ten und wirken Wissenschaftler_innen stets auch im öffentlichen Raum. In Talkshows sind Expert_innen aus der Forschung schon seit geraumer Zeit häufig zu Gast. Autor_innen aus dem Wissenschaftsbereich