Kai Burmeister DIREKT 1 6/ 2020 ARBEIT IN DER AUTOMOBILINDUSTRIE UNTER DRUCK – T RANSFORMATION KANN GELINGEN AUF EINEN BLICK Im Sommer 2020 kündigen Unternehmen in der Automobilindustrie vermehrt Personalabbau und Standortschließungen an. Begründet wird dies neben den Folgen der Corona-Pandemie mit der Transformation der Automobilindustrie. Tatsächlich können aber Politik, Unternehmen und Gewerkschaften mit den richtigen Entscheidungen rund um Technologie, Geschäftsfelder und Qualifizierung die Transformation zu einer Erfolgsgeschichte sowohl für die Beschäftigten als auch für den Klimaschutz machen. ZUKUNFT VERPASST? Das vergangene Jahrzehnt ist für die deutsche Automobilindustrie ausgesprochen erfolgreich verlaufen. Allerdings ist zu befürchten, dass die deutsche Autoindustrie wichtige Zukunftsaufgaben rund um die Dekarbonisierung des Verkehrs verschlafen hat. Während der letzten Finanz- und Wirtschaftskrise hat sich die Bundesregierung mit dem„Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität“ das Ziel gesetzt, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen. Tatsächlich waren zum Stichtag 1.1.2020 nur 136.616 Pkw mit reiner Batterieelektrik unterwegs. In China und den USA, den beiden mit Abstand größten Automobilmärkten, sind bereits jeweils mehr als eine Million E-Autos unterwegs und die Steigerungsraten hoch. Daher überrascht es nicht, dass die vier größten E-Auto-Produzenten in den USA(Tesla) sowie in China(BYD, BAIC, SAIC) beheimatet sind und europäische Hersteller bisher hinterherfahren. Ein ähnlicher Rückstand der hiesigen Autoindustrie zeichnet sich rund um die Digitalisierung des Fahrzeugs, das autonome Fahren und die damit verbundene Softwarekompetenz ab(Bain& Company 2020: 24). Allerdings lassen sich die Rückstände mit der nötigen Entschlossenheit aufholen. Die Transformation ist in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung: – Ohne verantwortliche Strategien an den Standorten droht den heutigen deutschen Autobauregionen die Deindustrialisierung und den Beschäftigten der Jobverlust. – Ohne industrielle Wertschöpfung stehen in Folge auch gesamtgesellschaftlicher Wohlstand und letztlich das demokratische Gemeinwesen auf tönernen Füßen. – Ohne eine Wende in Richtung klimaneutraler Produktion und ohne eine Mobilitäts- und Energiewende werden sich die Klimakrise und verkehrliche Probleme verschärfen. Perspektivisch gedacht muss es darum gehen, aus heutigen Automobilproduzenten integrierte und klimaneutrale Mobilitätsanbieter zu machen. 1 Dies führt dazu, neben Autos mehr andere Verkehrsmittel herzustellen und stärker entsprechende Dienstleistungen sowohl für den Personen- wie für den Gütertransport anzubieten. Die Defizite des heutigen Mobilitätssystems mit überlasteten Straßen, Ineffizienzen und hohen sozialen und ökologischen Folgekosten müssen so überwunden werden. UND JETZT NOCH DER CORONA-EINBRUCH Die notwendige technologische und mobilitätspolitische Aufholjagd wird mittlerweile breit diskutiert und mit der Einrichtung der„Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität“ und vorangegangenen Initiativen in den Autoländern Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen bestehen Orte, an denen die Politik zusammen mit Industrie und >
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Arbeit in der Automobilindustrie unter Druck - Transformation kann gelingen
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