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Verlorene Ausstrahlung? : Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Großbritannien
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VERLORENE AUSSTRAHLUNG? Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Großbritannien Des Freedman D er öffentlich-rechtliche Rundfunk in Großbritannien kämpft an verschiedenen Fronten. Im Angesicht wach­sender Konkurrenz von kommerziell ausgerichteten Wett­bewerbern und andauerndem Druck seitens feindlicher Regierungen haben es die Sender versäumt, ihre Zukunft in einer Umgebung abzusichern, die von ständigem technolo­gischem Wandel und einem zunehmend skeptischen Pub­likum geprägt ist. In dieser Publikation werden einige der aktuellen Entwicklungen und Dilemmata untersucht, die für die großen Medienunternehmen wie die BBC und ITV von Bedeutung sind und ein Plan zur radikalen Reformierung und Modernisierung vorgestellt. Wenn vom staatlichen Fernsehen in Großbritannien die Rede ist, geht es meist um die öffentlich-rechtlichen Sendean­stalten(Public Service Broadcasting= PSB). Sie werden über­wacht von Ofcom, einer durch den Communications Act von 2003 als Zusammenschluss mehrerer Überwachungsorgane im Kommunikationsbereich entstandenen Kontrollinstanz. Die Sender sind verpflichtet, qualitativ hochwertige Inhalte anzubieten, die ein breites Themenspektrum abdecken und ganz unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Dazu gehö­ren alle BBC-Kanäle(einschließlich der digitalen ‚Portfo­lio-Dienste), die über Fernsehbeiträge finanziert werden, sowie die kommerziell finanzierten Sender ITV, Channel 4 und Channel 5. 1 Andere, auf Abonnements basierende Anbie­ter wie Sky und Streaming-Dienste wie Netflix und Amazon produzieren gelegentlich auch Inhalte, die denen des öffent­lich-rechtlichen Fernsehens ähneln. Sie gelten aber nicht als PSB und werden auch nicht auf dieselbe Weise kontrolliert. PSB in Großbritannien bieten nachweisliche wirt­schaftliche, politische und kulturelle Vorteile 2 sie stimulieren 1 PSB in anderen Ländern, wie Kanada und Deutschland, mögen teilweise werbefinanziert sein, jedoch ist das ‚kommerzielle PSB eine britische Besonderheit. 2 S. beispielsweise House of Lords, Select Committee on Commu­nications and Digital: Public Service Broadcasting: as Vital as Ever , 5.11.2019. Die in der digitalen Fassung unterlegten URLs wurden am 4.9.2020 abgerufen. den Kultursektor, bieten den Bürger_innen Informationen und Unterhaltung und fördern den Austausch sozialer Grup­pen mit- und untereinander. Dennoch sehen sich die Sender aktuell mit der Perspektive auf sinkende Einnahmen, einem sich wandelnden Konsumverhalten und einer feindseligen und polarisierten politischen Umgebung konfrontiert, die ihren weiteren Einfluss bedrohen. Vor diesem Hintergrund benötigen sowohl die Konzep­tion als auch die Institutionen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens eine radikale Erneuerung, wenn sie weiterhin im Leben der Bürger_innen Großbritanniens relevant bleiben und ein Gegengewicht zu den kommerziell ausgerichteten Wettbewerbern bilden sollen. Insbesondere die BBC muss nicht nur verteidigt, sondern reformiert und modernisiert werden, wenn sie den Bedürfnissen der Zuschauer_innen gerecht werden will. WIE PERFORMEN DIE PSB IM DIGITALEN ZEITALTER? Ungeachtet der zunehmenden Popularität von Strea­ming-Diensten und Gaming erreicht das klassische Fern­sehen immer noch jede Woche mehr als 90% der britischen Bevölkerung und hat einen Anteil von etwa 80% an der Gesamtmenge der geschauten Filme. Die öffentlich-recht­lichen Sendeanstalten dominieren diesen Bereich. Auf ihre Kernsender entfallen etwa 55% des Konsums, nimmt man die Portfolio-Kanäle(wie ITV2 und More4) hinzu, sind es sogar 70%. Die verschiedenen Kanäle der PSB produzierten im Jahr 2018 etwa 32.000 Stunden originär britische Inhalte, im Ver­gleich dazu waren es bei Amazon und Netflix nur 210 Stun­den. 3 Und während die PSB zusammen 2,84 Mrd. für inlän­dische Inhalte ausgaben und damit einen wichtigen Beitrag 3 Ofcom: Small Screen: Big Debate a Five-Year Review of Public Service Broadcasting(2014–18) , 27.2.2020, S. 20.