FES PARIS EINE WIRKSAME UND GERECHTE CO 2 -STEUER Januar 2020 Von Antoine Guillou Seit Beginn der»Gelbwesten-Bewegung« Ende 2018 ist die Bepreisung von CO 2 in Frankreich immer wieder Gegenstand intensiver Debatten. Die Proteste der Gelbwesten entzündeten sich zunächst als Reaktion auf eine Anhebung der Benzinpreise. Auch wenn diese in erster Linie unsere Abhängigkeit von fossilen Energien und der Entwicklung des Erdölpreises illustrierte, rückte sie auch das Thema der CO 2 -Bepreisung in den Vordergrund. CO 2 -BEPREISUNG IN FRANKREICH In Frankreich unterliegen fossile Brennstoffe seit Langem einer spezifischen Besteuerung über die Verbrauchssteuern(taxes intérieures de consommation, TIC): der Verbrauchssteuer auf Energieerzeugnisse(TICPE), die auf Mineralölerzeugnisse und Kohlenwasserstoffe erhoben wird, der Erdgasverbrauchssteuer(TICGN) auf Erdgas und der Kohleverbrauchssteuer (TICC) auf Kohle und Kohleprodukte. Mit dem»Gesetz für die Energiewende und grünes Wachstum«( Loi de transition énergétique pour la croissance verte, LTECV) wurde 2015 eine progressive, an die CO 2 -Intensität des jeweiligen Energieträgers gekoppelte Erhöhung dieser Steuern beschlossen. Es ist diese, an den CO 2 -Anteil gebundene Anhebung der Energieverbrauchssteuern die heute als»CO 2 -Steuer« oder genauer als»CO 2 -Komponente der internen Verbrauchssteuern« bezeichnet wird. Das LTECV gibt einen Entwicklungspfad für den CO 2 -Preis vor, anhand dessen die Anhebung der Steuer berechnet wird. Ausgehend von 7 €/tCO 2 2014 erreichte dieser Wert nach einer zweimaligen Korrektur des Pfads(2015 und 2017) im Jahr 2018 44,6 €/tCO 2 . Mit der letzten von der Regierung Macron 2017 verabschiedeten Anpassung des Entwicklungspfads wäre es zu einer weiteren schrittweisen Anhebung auf 86,2 €/tCO 2 bis 2022 gekommen. Als Antwort auf die Proteste der Gelbwesten wurde Ende 2018 jedoch ein Moratorium beschlossen. Die CO 2 -Steuer oder»CO 2 -Komponente« beläuft sich deshalb weiterhin in Frankreich auf 44,6 €/tCO 2 . Anpassungen des Entwicklungspfads der CO 2 -Komponente 100 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 Ursprünglicher Entwicklungspfad(2014) Erste Anpassung(2015) Zweite Anpassung(2017) Quelle: Climat et fiscalité: Trois scénarios pour sortir de l’impasse, I4CE, Terra Nova, Februar 2019 Dem französischen Staat brachte diese CO 2 Steuer Einnahmen in Höhe von etwa 6,4 Milliarden Euro 2017 und 9,2 Milliarden Euro 2018 ein(ausgenommen Einnahmen durch TICPE, TICGN und TICC, die nicht auf die CO 2 -Komponente zurückzuführen sind). CO 2 -BEPREISUNG: EIN WIRKSAMES MITTEL ZUR EMISSIONSREDUKTION Selbstredend ist die Carbon-Steuer nicht das einzige Instrument, das der öffentlichen Hand zur Verfügung steht, um die Energiewende voranzutreiben. Normen, wie etwa für die Gebäudeisolierung oder Fahrzeugemissionen, Subventionen und staatliche Investitionen sind weitere verfügbare und unverzichtbare Maßnahmen. Nicht auf eine CO 2 -Steuer zurück zu greifen, wäre jedoch gleichbedeutend mit dem Verzicht auf ein wirksames Instrument, das strake, vor allem langfristige Anreize für die Neuausrichtung von Investitionen und ein umweltbewussteres Verhalten schafft. 1
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