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Chinas industriepolitische Strategie : eine Gefahr oder Chance für Europa?
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Max J. Zenglein, Anna Holzmann DIREKT 07/ 2020 CHINAS INDUSTRIE­POLITISCHE STRATEGIE Eine Gefahr oder Chance für Europa? AUF EINEN BLICK Made in China 2025 ist ein Paradebeispiel für Chinas industriepolitische Strategie, die den techno­logischen Fortschritt in den Mittelpunkt stellt. Noch ist China in einigen Bereichen von Technologien und Fachwissen aus dem Ausland abhängig. Das bietet für europäische Unternehmen kurzfristig Chancen. Das Land wandelt sich derzeit aber mit Macht zu einem Konkurrenten. Politik, Wirtschaft und Wissen­schaft in Europa müssen sich auf die damit einher­gehenden Chancen und Risiken einstellen und ihre China-Strategien entsprechend neu justieren. Nach rund 40 Jahren Wirtschaftsreformen und einer seit dem Beitritt zur Welthandelsorganisation(WTO) 2001 beschleunig­ten Integration in das globale Wirtschaftssystem ist Europa mit einer sich rasant wandelnden Wirtschaftsmacht China kon­frontiert. Doch trotz großer Entwicklungssprünge muss das Land den Übergang vom günstig produzierenden Schwellen­land zur hoch entwickelten Industrienation erst noch erfolg­reich vollziehen. Um die Produktivität und Innovationskraft zu steigern, setzt die chinesische Führung auf eine umfassende Industriepolitik. Wie zuvor Japan, Südkorea oder Taiwan folgt Beijing grob demostasiatischen Wirtschaftsmodell, das unter anderem auf massiven Staatseingriffen fußt. Nach dem Willen der chinesischen Führung soll das Land bis 2049 zum 100. Gründungsjubiläum der Volksrepublik zu einer moder­nen Industrienation mit globaler Vormachtstellung in Wis­senschaft, Technik und industrieller Fertigung aufsteigen. Europa steht nun vor der Herausforderung, Antworten auf diese Innovationsinitiative zu formulieren. Kontrollanspruch stark ausgeweitet. Das 3. Plenum des 18. Zen­tralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas(KPC) im November 2013 wertete zwar die Rolle des Marktes und der Privatwirtschaft auf. Gleichzeitig wurde jedoch die zentrale Bedeutung von Staatsunternehmen und Industriepolitik für den wirtschaftlichen Fortschritt Chinas bekräftigt. Die Zentral­regierung gibt über Pläne und Direktiven die Marschrichtung vor, der alle Akteure in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, der staatlichen und der privaten Sphäre folgen müssen. Die konkreten Zielvorgaben sollen Ressourcen mobilisieren und die industrielle Basis stärken helfen. Beijing investiert massiv in Forschung und Entwicklung in strategisch wichtigen Industrien und kann bereits erste Er­folge verbuchen, etwa im Bereich von Fahrzeugen mit alterna­tiven Antriebstechnologien, dem neuen Telekommunikati­onsstandard 5G oder in der Raumfahrt. Schattenseiten, wie etwa industrielle Überkapazitäten, werden in Kauf genommen, um Wertschöpfungsketten im Land zu etablieren und sich rasch von der internationalen Konkurrenz abzusetzen. Beijing passt seine industriepolitische Strategie laufend an und ver­sucht, den zentralistisch organisierten Einparteienstaat mit einer stärkeren Einbindung innovativer Privatunternehmen und Markt­mechanismen in Einklang zu bringen. Die seit 2013 propa­gierten Reformen von Staatsunternehmen kommen dabei nur langsam voran. Doch nicht nur die Ineffizienz des hybriden Staatskapitalismus Chinas erhöht den Druck auf Beijing, seine Herangehensweise anzupassen. Auch der seit Anfang 2018 andauernde Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten zwingt China zu Kursanpassungen. Verschärfte Exportkontrollen und-beschränkungen der US­Regierung haben chinesische Telekommunikationsriesen wie > CHINAS INDUSTRIEPOLITISCHE STRATEGIE IST EFFEKTIV, ABER INEFFIZIENT Insbesondere seit dem Amtsantritt von Staats- und Parteichef Xi Jinping in den Jahren 2012/13 hat der Einparteienstaat seinen