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Kinderland Schweden? : Regulierung, Zugang und Debatten zur medizinisch assistierten Reproduktion in Schweden und den Nordischen Ländern
Entstehung
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Kinderland Schweden? Regulierung, Zugang und Debatten zur medizinisch assistierten Reproduktion in Schweden und den Nordischen Ländern von Henri Möllers Seit der Geburt von Luise Brown im Jahr 1978 in Großbri­tannien hat sich die medizinisch assistierte Reproduktion in den letzten 40 Jahren von einer anfänglich sehr exklusiven Medizintechnik zu einerreproduktiven Realität vieler Menschen entwickelt. Die Nordischen Länder stellen in die­sem Zusammenhang eine interessante Region dar, weil sie aufzeigen, dass eine Transformation aus zunächst restriktiv­exkludierenden Regulierungszuständen hin zu weltweit wahrscheinlich einmaligen progressiven und inklusiven Re­gimen möglich ist. Seit den 1980er und 1990er Jahren hat sich sowohl der rechtliche als auch der faktische Zugang im Bereich der medizinisch assistierten Reproduktion(MAR) eklatant verändert. Als vorläufiges Ergebnis besteht nach über 35 Jahren eine weitgehende Normalisierung der MAR in der Gesellschaft. Das bedeutet zugleich eine Stärkung reproduktiver Rechte von vielen Menschen und auch die faktische Anerkennung der gesellschaftlichen Realität nicht­heteronormativer Reproduktions-, Geschlechter- und Kern­familienordnungen. Letztlich ist damit ein hochgradig wer­tepolitisch aufgeladenes Politikfeld rationalisiert worden. Um diese Entwicklung nachzuzeichnen, soll in diesem Bei­trag zunächst ein Überblick über die reproduktionsmedi­zinischen Realitäten in den Nordischen Ländern gegeben werden, um danach anhand des Beispiels Schweden die Entwicklung der Regulierungen Anfang der 2000er Jahre und die damit verbundenen Diskurse und Akteur_innenkon­stellationen bis in die aktuellste Gegenwart zu beleuchten. 1 Hierbei soll vor allem auf die Eizellspende, die Abschaffung der rein medizinischen Indikation und die Öffnung der MAR 1 Die in der Theorie gleichwertige Perspektive von Spender_innen, Leihmüttern und erwachsenen Kindern aus Samenspende kann in dieser Diskursanalyse nicht geboten werden, da sie nach dem gegen­wärtigen Kenntnisstand des Autors nicht als eigenständige Subjekte in den Diskursen vernehmbar waren, sondern zumeist nur über sie gesprochen wurde oder sie als Einzelstimmen in der Tagespresse vor­zufinden waren.