Martin Schössler und Gerald Ebel DIREKT 15/ 2019 KI-PLATTFORMEN ALS NEUE MARKTGESTALTER – EINE STRATEGISCHE HERAUSFORDERUNG FÜR EUROPAS WIRTSCHAFTSPOLITIK AUF EINEN BLICK Vor allem Unternehmen aus China und den USA haben mithilfe künstlicher Intelligenz neue digitale Plattformmodelle entwickelt und sind damit technisch fast jedem europäischen Wettbewerber enteilt. Um aufzuschließen, sollten Europas Unternehmen eigene Fähigkeiten im Bereich des maschinellen Lernens und der künstlichen Intelligenz aufbauen und im Schulterschluss mit der Politik eine europäische Vision für eine soziale und demokratische Plattformwirtschaft entwickeln. DER WEG ZUM PLATTFORMUNTERNEHMEN – MEHR KOOPERATION ZWISCHEN UNTERNEHMEN NÖTIG? Eine große, geschlossene Fläche mit einer Vielzahl von Abteilungen, in denen die Kunden unterschiedlichste Prod ukte kaufen können – der Vergleich einer digitalen Plattform mit einem Kaufhaus liegt nahe. Sechs der zehn wertvollsten Unternehmen der Welt und vier der fünf stärksten Marken beruhen mittlerweile auf dem Geschäftsmodell der Plattform. Unternehmen, die sich als digitale Plattformen organisieren, nehmen heute auch in Deutschland eine dominante Rolle ein. Sie verfolgen jedoch ein anderes Wertschöpfungsprinzip als die traditionellen Akteure in der Industrie und im Dienstleistungssektor: Nicht mehr die lineare Herstellung und der Verkauf von Gütern und Dienstleistungen, sondern die Bereitstellung einer Infrastruktur für die digitale Interaktion zwischen mehreren Akteuren steht im Vordergrund. Der Weg zum Plattformunternehmen kann dabei ganz unterschiedlich sein, der Wirkmechanismus bleibt aber stets gleich: Möchte ein Unternehmen sich zum Betreiber einer Plattform entwickeln, muss es permanent geeignete Teilnehmer digital zusammenführen. Ziel ist es, am Umsatz der Teilnehmer auf der Plattform zu partizipieren. Unternehmen, die dabei die Hoheit über die Bedürfnisse der Teilnehmer erringen, können einen großen Wettbewerbsvorteil erzielen. Für Industrie und Mittelstand ist es zentral, die Entwicklung hin zur Plattformwirtschaft nicht zu verschlafen. Denn Wertschöpfung wird sich zukünftig nicht mehr nur durch die Herstellung und den Verkauf von Produkten, sondern zusätzlich über digitale Mehrwertleistungen im Rahmen von Plattformökosystemen realisieren lassen. Am Beispiel der Firma Claas lässt sich dieser Prozess verdeutlichen: Claas gehört zu den weltweit fünf größten Landmaschinenherstellern und macht 80 Prozent seines Umsatzes im Ausland. Die Entwicklung einer eigenen Plattform für die Landwirtschaft scheint daher ein logischer Schritt zu sein. Neben den Landgeräten werden jetzt auch Software und IT-Produkte wichtig, die als Basis für das Internet der Dinge fungieren und den Einsatz künstlicher Intelligenz ermöglichen. Die Vision ist eine„vernetzte Landwirtschaft“, die den gesamten Produktionsprozess mit den notwendigen Daten unterstützt. Claas orchestriert hierzu über die Plattform unterschiedliche Akteure, die diese Daten bereitstellen oder auswerten. Der Kunde kann daher alle Produkte und Dienstleistungen aus einer Hand erhalten oder über die Plattform weitere Unternehmen und ihre Dienstleistungen nutzen. 1 Im Umkehrschluss darf angenommen werden, dass Unternehmen, die das Feld der Plattformwirtschaft nicht betreten, in Zukunft von neuen Marktakteuren aus diesem Gebiet zurückgedrängt werden. So besteht beispielweise die Gefahr, dass Autohersteller ihre dominante Rolle verlieren, wenn sie nicht das Bedürfnis der Kunden nach Mobilität als einem digitalisierbaren Produkt verstehen. Denn der Besitz des analogen >
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KI-Plattformen als neue Marktgestalter : eine strategische Herausforderung für Europas Wirtschaftspolitik
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