Christian Kellermann und Alexander Petring DIREKT 18/ 2019 KÜNSTLICHE INTELLIGENZ UND ARBEIT GESELLSCHAFTLICHE DIMENSIONEN EINER TECHNIKFOLGENABSCHÄTZUNG AUF EINEN BLICK Die technische Dimension der Zukunft der Arbeit ist gestaltbar – auch und gerade vor dem Hintergrund der Potenziale Künstlicher Intelligenz. Allerdings reicht die Ebene betrieblicher Instrumente dafür nicht aus. Es braucht eine gesellschaftliche Technikfolgenabschätzung, die vier Dimensionen gleichermaßen in den Blick nimmt: die Situation des einzelnen Arbeitsplatzes, die betriebliche und die Branchenebene sowie die gesamtwirtschaftliche Dimension. Mit einem solchermaßen umfassenden Ansatz kann es gelingen, die Transformation der Arbeitswelt zu einem individuellen und gesellschaftlichen Fortschrittsprojekt zu machen. Der technologische Fortschritt der letzten 200 Jahre konnte – nicht zuletzt durch die Kraft der Arbeiterbewegung – in sozialen Fortschritt überführt werden. Was für das ‚Maschinenzeitalter‘ gelungen ist, kann auch für das ‚Digitalzeitalter‘ gelingen. Kennzeichnend für die Transformation der technologischen Entwicklung in sozialen Fortschritt der vergangenen eineinhalb Jahrhunderte waren vor allem die Verbesserungen beim Arbeitsschutz, die Reduzierung der(Lebens)Arbeitszeit, die umfassende soziale Absicherung von Einkommensrisiken, die breite Steigerung von Wohlstand, die zunehmende Gleichstellung, die Stärkung von Kindern und ihrer Rechte, die zunehmende Verteidigung des Planeten gegen zerstörerische Ausbeutung seiner Ressourcen und vor allem die Ermächtigung des Einzelnen durch den Ausbau individueller und kollektiver Rechte gegen kurzfristige Kapitalinteressen. Die Ermächtigung des Einzelnen bedeutete stets eine entsprechende Entmachtung derjenigen, die die Rechte des Einzelnen anderen Interessen unterzuordnen versuchten. Die gegenwärtigen und gegenwärtig absehbaren technologischen Entwicklungen speziell im Feld von Künstlicher Intelligenz(KI) erzwingen ein neues Verständnis für das soziale und marktwirtschaftliche Gleichgewicht zwischen Arbeit und Kapital. Künstliche Intelligenz birgt das Potenzial, in nahezu allen Bereichen einzelne Arbeitsschritte oder auch ganze Prozesse zu automatisieren. Die menschliche Arbeit wird nicht verschwinden, aber sie durchläuft einen strukturellen Wandel, der eine epochale Dimension haben wird. »INTELLIGENTES« TECHNIKPOTENZIAL Künstliche Intelligenz markiert den technologischen Schritt von der lesenden zur lernenden Informationstechnik bzw. den Schritt von der Verarbeitung maschinenlesbarer zur Verarbeitung maschinenverstehbarer Daten, was im Ergebnis einer Simulation biologischer Intelligenzdimensionen nahekommen kann. Der Kernbereich der KI-gesteuerten maschinellen Informationsverarbeitung ist das maschinelle Lernen. Maschinelles Lernen optimiert Systeme durch die Nutzung von Feedback aus der Interaktion mit der Umwelt. Durch die Kombination aus neuen Leistungsniveaus bei Hard- und Software und Datenverfügbarkeit wird ein neues Niveau der Berechen- und Beherrschbarkeit von Komplexität möglich, das jenseits der menschlichen Kapazitäten liegt – das betrifft heute vor allem den Prozess der Mustererkennung. Es gibt keine konsensuale Definition von Künstlicher Intelligenz. Der Grund hierfür ist der vieldimensionale Intelligenzbegriff selbst. Deswegen gibt es auch nicht die eine systematische Übersetzung des Technologiepotenzials von KI auf die Arbeitswelt. Das bedeutet aber nicht, dass diese neue Technikstufe nicht ‚begreifbar‘ ist. Organisationen, Verwaltung und Unternehmen, die Sphäre der Kommunikation, einzelne Personen als Arbeitnehmer_innen, Konsument_innen, Bürger_innen werden von ihr in je unterschiedlicher Hinsicht betroffen. Das findet bereits jetzt statt und wird in Zukunft weiter zunehmen – obwohl wir technologisch von„superintelligenten Maschinen“ noch weit entfernt sind. >
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Künstliche Intelligenz und Arbeit : gesellschaftliche Dimensionen einer Technikfolgenabschätzung
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