Druckschrift 
Arbeitswelt Handwerk - eine politische Herausforderung : Positionspapier der Arbeitnehmer-Vizepräsident_innen der Handwerkskammern
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

DIREKT 21/ 2019 ARBEITSWELT HANDWERK EINE POLITISCHE HERAUSFORDERUNG Positionspapier der Arbeitnehmer­Vizepräsident_innen der Handwerkskammern AUF EINEN BLICK Das Handwerk ist als Arbeitgeber und Ausbilder für Millionen von Menschen von zentraler Bedeutung. Doch um zukunftsfähig zu sein, müssen die Arbeits­und Ausbildungsbedingungen dringend verbessert werden. Nur mit guten Löhnen, guter Arbeit und einer modernen Ausbildung kann das Handwerk im Wettbewerb um Auszubildende und qualifizierte Fachkräfte langfristig bestehen. Das Handwerk ist ein zentraler Bestandteil der deutschen Wirt­schaft: In rund einer Million hauptsächlich kleiner und mittle­rer Betriebe sind über fünf Millionen Menschen beschäftigt. Fast jeder dritte Lehrling wird in einem Handwerksbetrieb ausgebildet. Das Handwerk ist auch einer der größten Wirt­schaftszweige in Deutschland. In ländlichen, strukturschwa­chen Regionen ist es sogar oft der wichtigste Wirtschaftsfaktor. Gleichwohl nimmt die volkswirtschaftliche Bedeutung des Handwerks langfristig gesehen ab. Das Handwerk steht vor großen Herausforderungen, um auch in Zukunft seine Rolle alsWirtschaftsmacht von nebenan, als Arbeitgeber und Aus­bilder für Millionen von Menschen ausfüllen zu können. In der öffentlichen Diskussion wird als zentrale Herausfor­derung des Handwerks meist die Bewältigung des Fachkräf­temangels genannt. Und in der Tat ist der Mangel an Fach­kräften nach wie vor ein drängendes Problem. Aktuell fehlen ca. 250.000 Fachkräfte und ca. 20.000 Ausbildungsplätze bleiben jährlich unbesetzt. Doch bei den Ursachen des Fach­kräftemangels wird ein zentraler Faktor meist übergangen: Im Vergleich zu vielen anderen Wirtschaftszweigen sind die Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer_innen im Handwerk eher schlecht. Im Folgenden werden daher politische Handlungsoptionen vorgestellt, die das Handwerk für Arbeitnehmer_innen und Auszubildende attraktiver machen und dem Fachkräftemangel entgegenwirken können. Die Forderungen wurden mit Un­terstützung der Friedrich-Ebert-Stiftung von den Arbeitnehmer­Vizepräsident_innen der Handwerkskammern entwickelt. 1 UNSERE FORDERUNGEN Ausbildung, Qualifizierung, Weiterbildung Die Zahl der Auszubildenden in allen Handwerksberufen ist seit 2003 von 502.000 auf 365.000 im Jahr 2017 zurück­gegangen. 2 Damit das Handwerk für potenzielle Auszubilden­de attraktiver wird und bleibt, muss sich die Qualität der Ausbildung im Handwerk deutlich verbessern. In der öffent­lichen Wahrnehmung müssen handwerkliche Ausbildungs­berufe gegenüber anderen Ausbildungsberufen Boden gut machen, um im Wettbewerb um Nachwuchskräfte mithalten zu können. Mit der langjährigenImagekampagne des deutschen Handwerks wurde dieses Ziel bisher nicht erreicht. Stattdessen braucht es eine ganze Reihe konkreter Maß­nahmen, um nach und nach die tatsächlichen Ausbildungs­und Qualifizierungsbedingungen im Handwerk zu ver­bessern: Ausbildungsbetriebe übernehmen mit der Ausbildung junger Menschen Verantwortung auch für ihre gesamte Branche. Um Ausbildung für die Ausbildungsbetriebe fairer und attraktiver zu machen, sollte in allen Handwerksbran­chen eine Ausbildungsumlage z.B. nach dem Vorbild der Ausbildungsumlage im Baugewerbe eingeführt werden. Im Baugewerbe zahlen alle Betriebe(mit Ausnahme von Soloselbstständigen) eine Ausbildungsumlage und finan­zieren damit Teile der Ausbildungsvergütungen sowie die überbetriebliche Ausbildung der Lehrlinge. So werden ge­meinschaftlich von allen Betrieben einer Branche die Kos­ten der Ausbildung der zukünftigen Fachkräfte getragen. >