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Zuverlässig statt schnell : Infrastrukurplanung und Verkehrspolitik neu denken
Entstehung
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Bert Leerkamp und René Bormann DIREKT 12/ 2018 ZUVERLÄSSIG STATT SCHNELL INFRASTRUKTURPLANUNG UND VERKEHRSPOLITIK NEU DENKEN AUF EINEN BLICK Die Erhöhung der Reisegeschwindigkeit mit dem Ziel, die Reisezeit zu verringern, dominiert die Planung der Verkehrsinfrastruktur. Mit dieser Strategie sind die aktuellen verkehrlichen Probleme jedoch nicht zu lösen. Angesichts steigender Verkehrsbelastungen, zunehmender Staus und Verspätungen gewinnt die Planbarkeit einer Personenfahrt oder eines Güter­transportes immer mehr an Bedeutung. Notwendig ist eine neue Infrastrukturpolitik, die netzübergrei­fend plant und Zuverlässigkeit gegenüber Schnellig­keit priorisiert. 1 Verkehrsnetze dienen der Überwindung von Distanzen. Schnel­ligkeit, Zuverlässigkeit, Sicherheit, Barrierefreiheit und Bequem­lichkeit sind wichtige Qualitätsmerkmale von Verkehrsnetzen. Mobil zu sein erfordert aber mehr: Verfügbarkeit von Ver­kehrsmitteln, Bezahlbarkeit und Information über alternative Beförderungsoptionen sind ebenfalls von großer Bedeutung. Aufbau und Pflege einer zukunftsfähigen Verkehrsinfrastruktur sollten deshalb vorranging an drei Kriterien ausgerichtet sein: Zuverlässigkeit, Bezahlbarkeit und Intermodalität. ERHÖHUNG DER GESCHWINDIGKEIT DOMINIERT INFRASTRUKTURPLANUNG Nach wie vor steht jedoch die Erhöhung der Geschwindigkeit der Raumüberwindung im Zentrum der Verkehrsnetzentwick­lung. Dies wird vor allem ökonomisch begründet, mit eingespar­ten Reisekosten je Verkehrsteilnehmer_in und im Falle der Eisenbahnen mit einer Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber konkurrierenden Verkehrsträgern. Die kontinuierlichen Analysen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung zeigen jedoch, dass nahezu im gesamten Bundesgebiet bereits eine sehr hohe Erreichbarkeit zentraler Orte mit dem Pkw gewährleistet ist(BBSR o. J.). Nur sehr wenige Regionen haben hier Defizite im Sinne der Qualitätsanforderungen, die die Ministerkonferenz für Raum­ordnung der Länder und des Bundes beschlossen hat(FGSV 2008: Tabelle 1+ 2). Steigende Verkehrswegeinvestitionen stehen also einem abnehmenden Grenznutzen der Erreichbar­keit gegenüber und finden teilweise in Gebieten statt, die bereits über eine raumordnerisch mindestens zufriedenstellen­de Erreichbarkeit verfügen. Eine Weiterentwicklung der Ver­kehrsinfrastruktur erfordert somit neue Prioritäten. Die Situation beim Öffentlichen Personennahverkehr(ÖPNV) sieht anders aus. Im Rahmen der Daseinsvorsorge steht hier besonders in ländlichen Räumen oft nur die Sicherung von Mindeststandards der Bedienungshäufigkeit im Fokus. Die Reise­zeiten der Fahrgäste sind nachrangig, und das ÖPNV-Ange­bot ist nicht mit dem Pkw vergleichbar. Das erweist sich auch deshalb als problematisch, weil die zunehmende Konzentration von Schulstandorten und Krankenhäusern dazu führt, dass Menschen ohne Pkw erhebliche Einbußen in der Erreichbarkeit wichtiger Einrichtungen hinnehmen müssen. Zeitkostenvor­teile durch höhere Reisegeschwindigkeiten spielen in der Pla­nung des ÖPNV aber immer nur dann eine Rolle, wenn die Infrastruktur ausgebaut werden soll. Als Argument für die Erhöhung der Bedienungshäufigkeit kommen sie hingegen viel zu selten in Betracht. ZUVERLÄSSIGKEIT WICHTIGER ALS GESCHWINDIGKEIT Angesichts steigender Verkehrsbelastungen und damit zu­nehmender Staus und Verspätungen gewinnt die Planbarkeit einer Personenfahrt oder eines Gütertransportes gegenüber der Geschwindigkeit immer mehr an Bedeutung. Aktuell >