REZENSIONEN/BOOK REVIEWS RAUL ZELIK/ ELMAR ALTVATER: Vermessung der Utopie. Ein Gespräch über Mythen des Kapitalismus und die kommende Gesellschaft München 2009 Blumenbar Verlag, 206 Seiten I m Verlauf der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise sprossen allerorts Publikationen aus dem Boden, die sich um Ursachenanalyse, Lösungskonzepte und zukünftige Gesellschaftsentwürfe bemühten. Angesichts der sich wieder im Aufwind befindenden nationalen und globalen Wirtschaft sind die(kapitalismus-) kritischen Stimmen merklich ruhiger geworden. Erschreckend, denkt man an die weltweiten ökonomischen und sozialen Verwerfungen, die im Verlauf der Krise und noch vor Kurzem zutage traten. Mit dem Ziel, die Krisenhaftigkeit unseres Wirtschaftssystems zu reduzieren und ein gerechteres Gesellschaftsmodell zu entwerfen, engagiert sich Elmar Altvater, emeritierter Professor der fu Berlin, schon seit langen Jahren als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des globalisierungskritischen Netzwerks»attac«. Ein näherer Blick in sein in Kooperation mit dem Schriftsteller und Politikwissenschaftler Raul Zelik entstandenes Werk lohnt sich. Das Autorenpaar beginnt das in Dialogform geschriebene und in vier etwa gleich große Kapitel aufgeteilte Buch mit einer umfassenden Kritik der bestehenden ökonomischen Verhältnisse, wirft dann einen analysierenden Blick auf Ursachen und Management der aktuellen Krise und skizziert später ein utopisches Gesellschaftsmodell, in dem die Ökonomie das ökologische und soziale Gemeinwohl rationalistisch einbezieht.»Vermessung der Utopie« beschreibt einen erstrebenswerten Zustand der Welt, den es(noch) nicht gibt. Ob solch eine Vermessung eines»Nicht-Ortes« nicht ein vermessenes Unterfangen ist oder ob die Gefahr, sich zu vermessen, nicht zu groß ist, wird von den Autoren im Vorwort diskutiert. Hier umreißen sie auch erstmals ihr utopisches Projekt: Den Menschen auf Erden soll ein Auskommen ermöglicht und ihre Grundbedürfnisse befriedigt werden, dabei muss die Natur aber bewahrt und eine herrschaftsfreie Welt erschaffen werden. Im ersten Kapitel»Zum Begriff Ökonomie« vermessen die Autoren zunächst die Welt, in der wir leben. Zelik beschreibt diese wie folgt:»Das System, in dem 162 Rezensionen/Book Reviews ipg 1/2011
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