Il.
Ferdinand Lassalle: Offenes Antwortschreiben an das Zentralkomitee zur Berufung eines allgemeinen deutschen Arbeiterkongresses zu Leipzig, 1863
Vorbemerkung des Herausgebers
Nach der Niederwerfung der 48er Revolution und einigen Jahren erzwungenen organisatorischen Vakuums bildeten sich während der sog. Neuen Ära seit 1859/60 in ganz Deutschland(unpolitische) Arbeiterbildungsvereine, die fest in der Hand der bürgerlichen Fortschrittspartei sowie des liberalen Nationalvereins waren, der sich weigerte, die Arbeiter als vollberechtigte Mitglieder aufzunehmen. Innerhalb dieser Arbeitervereine entwickelte sich im Laufe des Jahres 1862 eine Opposition, die auf einen allgemeinen deutschen Arbeiterkongress hinarbeitete, der von Delegierten öffentlicher Arbeiterversammlungen beschickt werden sollte, nicht aber von den einzelnen durch die Liberalen beherrschten Vereinen. Diese von einem Zentralkomitee in Leipzig angeführte Kongressbewegung zur Verselbständigung der Arbeiterbewegung geriet allerdings schnell gegenüber der energischen Abwehr der Liberalen ins Hintertreffen, zumal die verstärkte Propagierung der örtlichen Spar-, Kredit- und Konsumvereine nach dem System Schulze-Delitzschs bei den meisten Arbeitern große Popularität erzielte. In dieser ausweglosen Situation wandten sich drei Mitglieder des Leipziger Zentralkomitees am 4. Dezember 1862 an Ferdinand Lassalle und baten ihn,»Führer der ganzen Bewegung« zu werden. Lassalle hatte im April 1862 mit dem sog.»Arbeiterprogramm« versucht, die Arbeiter für eine neue revolutionäre demokratische Partei zu gewinnen, die noch nicht als Arbeiterpartei konzipiert war. Da diese Bemühungen gescheitert waren und er selbst publizistisch völlig isoliert dastand, erklärte er sich»im Allgemeinen bereit«, der Aufforderung aus dem Leipziger Zentralkomitee nachzukommen, zögerte aber noch drei Monate, bis zum 1. März 1863, mit seinem offiziellen»Offnen Antwortschreiben«. Dieses knüpfte nicht etwa an die bestehende Kongressbewegung an, sondern forderte etwas völlig anderes, die
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