VI.
Programm des Vereinstages der Deutschen Arbeitervereine, beschlossen in Nürnberg 1868
Vorbemerkung des Herausgebers
Im Gegenzug zur Gründung des zentralistisch strukturierten ADAV bildete sich am 7. Juni 1863 der»Vereinstag(später: Verband) der Deutschen Arbeitervereine«, der föderalistisch aufgebaut war und nur ganz allgemein der Verständigung über die Interessen der Arbeiter dienen sollte. Dieser Verband blieb zunächst weitgehend in der Hand der bürgerlichen Liberalen und Demokraten, wenngleich sich immer stärker Emanzipationstendenzen bei den Arbeitern bemerkbar machten. Einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hatte der Drechslermeister August Bebel, der bereits 1864 dem ständigen Ausschuss des Vereinstages angehörte und sich 1867 mit Erfolg gegen den Liberalen Max Hirsch um das Präsidium des Vereinstages bewarb. Bereits ein Jahr später war der Verselbständigungsprozess der Arbeiter so weit fortgeschritten, dass der die Geschäfte des Verbandes besorgende Leipziger Verein unter Führung Bebels, der 1866 der IAA beigetreten war, es wagen konnte, zur eindeutigen Ausrichtung des Verbandes ein Programm vorzuschlagen, das sich auf die Hauptsätze der Statuten der Internationalen Arbeiterassoziation stützte. Die Annahme dieses Programms auf dem Nürnberger Vereinstag(5.7. September 1868) mit 69 gegen 46 Stimmen wurde von der Minderheit zunächst mit Protesten, schließlich jedoch mit Austritt aus dem Verband beantwortet.