Programm der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, beschlossen auf dem Parteitag in Erfurt 1891
Vorbemerkung des Herausgebers
Nach dem Fall des Sozialistengesetzes hatte sich die SAP 1890 auf dem Parteitag in Halle ein neues Statut gegeben, in dem die Führung der Partei der Reichstagsfraktion entzogen und einem Parteivorstand übertragen wurde, der zwischen den jährlichen Parteitagen, den obersten Organen der Partei, die Geschäfte wahrnehmen sollte. Zugleich erhielt die Partei den neuen Namen Sozialdemokratische Partei Deutschlands(SPD). Ferner wurde die Vorbereitung eines neuen Parteiprogramms für den nächsten Parteitag beschlossen. In die daraufhin anhebende Diskussion griff Friedrich Engels ein mit der Veröffentlichung von Marx’ Kritik des Gothaer Programmentwurfs von 1875, in der Marx sich— erfolglos— gegen die Übernahme Lassallescher Forderungen gewandt hatte. Auch den neuen Programmentwurf des Parteivorstandes der SPD unterzog Engels einer ausführlichen Kritik, die nur teilweise vor dessen Veröffentlichung im Juli 1891 berücksichtigt wurde. Neben diesem Entwurf wurden noch drei weitere Programmentwürfe vorgelegt, von denen der bedeutendste der im August/September 1891 in der»Neuen Zeit« publizierte Entwurf war, den Karl Kautsky(Teil 1) und Eduard Bernstein(Teil 2) formuliert hatten. Dieser von Engels unterstützte Entwurf wurde mit geringfügigen, von der Programmkommission unter Führung W. Liebknechts einstimmig beschlossenen Änderungen auf dem Erfurter Parteitag vom 14.-20. Oktober 1891 nahezu ohne Diskussion einstimmig angenommen.