XII.
Resolution zur Frage des politischen Massenstreiks, beschlossen auf dem Parteitag der SPD in Jena 1913
Vorbemerkung des Herausgebers
Im Gegensatz zu der reformistischen bzw. revisionistischen Linie der Verlagerung der Aktivitäten der politischen Arbeiterbewegung fast ausschließlich auf die Parlamentsebene und aus Furcht vor einer Beschränkung des Reichstagswahlrechts suchten die Vertreter der Linken seit 1904/05 eine Verbindung des parlamentarischen und des außerparlamentarischen Kampfes mit Hilfe der Propagierung des politischen Massenstreiks zu erreichen, eine Taktik, die durch die Ereignisse der russischen Revolution von 1905 noch bestärkt wurde. Die deutschen Gewerkschaften, die eine Gefährdung ihrer mit großer Mühe aufgebauten Massenorganisationen durch die Debatte um den politischen Massenstreik befürchteten, zum anderen nicht gewillt waren, sich der Partei zu unterstellen, lehnten auf ihrem 5. Kongress in Köln im Mai 1905 nicht nur den politischen Massenstreik selbst ab, sondern auch die Diskussion um dieses Problem. Die SPD ließ sich hiervon jedoch nicht festlegen und beschloss auf dem Jenaer Parteitag vom Juni 1905,»die umfassendste Anwendung der Massenarbeitseinstellung« als eines der wirksamsten Kampfmittel zur Verteidigung des Reichstagswahlrechts und des Koalitionsrechts zu betrachten. Aber auch diese vorsichtige Formulierung war in Partei und vor allem Gewerkschaften stark umstritten. Der nächste Parteitag(September 1906 in Mannheim) bestätigte zwar formal die Jenaer Resolution, machte jedoch deren eventuelle Anwendung von einer Verständigung der Partei mit den Gewerkschaften abhängig. Auch auf den Internationalen Sozialistenkongressen in Stuttgart(1907), Kopenhagen(1910) und Basel(1912) suchten die Linken einen Beschluss über den politischen Massenstreik, vor allem über die Verpflichtung zum Generalstreik zur Verhütung imperialistischer Kriege, durch
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