Aufsatz 
Globalisierung versus Hegemonie : zur Zukunft der transatlantischen Beziehungen
Entstehung
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Globalisierung versus Hegemonie Zur Zukunft der transatlantischen Beziehungen CLAUS LEGGEWIE D ie Irak-Krise hat aktuelle Gegensätze und grundsätzliche Differenzen zwischen Amerika und Europa in grelles Licht gesetzt. Die Bush-Ad­ministration fährt einen explizit imperialen Kurs, der die amerikanische Suprematie(nicht nur auf militärischem Gebiet) auf Jahrzehnte festigen soll, und sie legt auf multilaterale Kooperation weit weniger Wert als zu den Zeiten des Kalten Krieges. Die Europäische Union als ganze hat dar­auf noch keine schlüssige Antwort entwickelt, auch nicht die europäi­schen Mittelmächte als solche, vor allem Deutschland hat sich mit seinem harten(und m. E. richtigen) Nein zu einer Irak-Invasion in eine gewisse Isolation begeben. Drei Szenarien können heute im transatlantischen Verhältnis und darüber hinaus erwogen werden: ̈ Der amerikanische Unilateralismus steigert sich zu einem sicherheits­politischen und geo-ökonomischen Alleingang mit dem Ziel(oder doch wenigstens Effekt) imperialer Machtausübung. ̈ Amerika und Europa bilden ein westliches Hegemonialbündnis und führen den»Kampf gegen den Terror« gemeinsam. ̈ Amerika und Europa, die Hegemonialmächte des 19. und 20. Jahr­hunderts, werden in ein horizontales System der»Global Govern­ance« eingebunden. Der wahrscheinlichste Fall, ein strikt unilaterales Vorgehen der usa , impliziert nicht nur die fehlende Abstimmung mit Europa, also eine Fort­setzung der bereits von der Clinton-Administration geübten Außenpoli­tik der vollendeten Tatsachen, sondern mittelfristig auch den Entzug des militärischen Schutzes und die Ausübung von Zwang, nach der von Georg W. Bush ausgegebenen Devise:»Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!« Eine denkbare Reaktion der Europäer ist eine zunächst verbale Auf­lehnung gegen den Hegemon an der Seite anderer Staaten, eventuell die Aufrüstung zur militärischen Supermacht, womit nationale Rüstungsan­strengungen koordiniert und zusätzliche Belastungen eingegangen wer­den müssten was derzeit unvereinbar erscheint mit sozialstaatlichen An­sprüchen. Die Alternative dazu ist eine diplomatische Offensive und die ipg 1/2003 Leggewie, Globalisierung versus Hegemonie 87