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Moderner Realismus - auch ein Fall von politischer Theologie : zu Robert Kagans Thesen
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Moderner Realismus auch ein Fall von politischer Theologie Zu Robert Kagans Thesen ROBERT CHR. VAN OOYEN I n der aktuellen Debatte um die Spannungen im euro-atlantischen Ver­hältnis 1 formulierte jüngst Robert Kagan provozierende Thesen. Aus­gehend von einem»realistischen« Ansatz über»Macht und Schwäche« 2 gelingt es ihm, einen erfrischenden Blick auf die unterschiedlichen Kon­zepte von Außenpolitik diesseits und jenseits des Atlantiks zu werfen. Diese wurzeln für Kagan vor allem in den verschiedenen theoretischen Verständniskontexten, die der systematischen Erfassung der internatio­nalen Beziehungen zugrunde liegen. 3 Denn es ist ja ein in der Analyse oft vernachlässigter Gemeinplatz, dass es nicht nur einfach die Fakten sind, die die internationale Politik bestimmen, sondern dass diese Fakten (auch) durch den jeweiligen theoretischen Bezugsrahmen der Akteure überhaupt erst wahrnehmbar, d.h. aber, geschaffen werden. Politische »Realität« wird in den internationalen Beziehungen also durch das Welt­bild, das selbst immer ein bestimmtes Bild des Menschen voraussetzt, re­gelrecht permanent konstruiert. Wenngleich es Kagan daher gelingt, ideologieverdächtige Momente eines idealistischen, europäischen Ver­1. Vgl. hierzu das Diskussionsforum der Friedrich-Ebert-Stiftung»Pax Americana or International Rule of Law? Europes Options in World Politics« mit den folgenden Beiträgen: Christoph Bertram, Europes Best Interest: Staying Close to Number One; David P. Calleo, Balancing America: Europes International Duties; John M. Owen, Why American Hegemony is Here to Stay; Ernst-Otto Czempiel, Europes Mission: Pushing for a Participative World Order; Richard Whitman, The Fall and Rise of Civilian Power Europe. Alle unter»www.fes.de/paxamericana«. 2. Vgl. Robert Kagan,»Macht und Schwäche, Was die Vereinigten Staaten und Europa auseinander treibt«; in: Blätter für deutsche und internationale Politik, 10/02, S. 1194 ff. Die folgende Analyse nimmt im Wesentlichen diese für die»Blätter« von Ingrid Stein besorgte Übersetzung zur Grundlage; original erschien der Beitrag un­ter dem Titel:»Power and Weakness«; in: Policy Review , Nr. 113(Juni 2002), »www.policyreview.org/JUN02/kagan_print.html«. 3. Zu den theoretischen Grundlagen vgl. einführend: Kees van der Pijl, Vordenker der Weltpolitik. Einführung in die internationale Politik aus ideengeschichtlicher Perspektive , Opladen 1996. 112 van Ooyen, Zu Robert Kagans Thesen ipg 1/2003