Aufsatz 
Europäische Öffentlichkeit und die verspätete Politisierung der EU
Entstehung
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Europäische Öffentlichkeit und die verspätete Politisierung der EU HANS-JÖRG TRENZ D as europäische Öffentlichkeitsdefizit wird gemeinhin an einem Man­gel an Transparenz und Sichtbarkeit des europäischen Entscheidungs­prozesses, an einer unzureichenden Dichte interaktiver Kommunikati­ons- und Austauschprozesse zwischen den Europäern und an den fehlen­den Aufmerksamkeitspotenzialen des Publikums dingfest gemacht. Nach Überzeugung der meisten Autoren lassen sich diese fehlenden Kapazitä­ten allerdings nicht ohne Weiteres durch kommunikative Anstrengungen europäischer Institutionen oder ein Aufstocken medialer Kapazitäten in der Berichterstattung über Europa schaffen(Gerhards 2000). Kennzeich­nend für das europäische Öffentlichkeitsdefizit sei vielmehr ein Wesens­unterschied in der Entfaltung verständigungsorientierter politischer Kommunikation im Rahmen des Nationalstaats und interessensgeleite­ter strategischer Kommunikation im Rahmen der Europäischen Union, weshalb sich Europäer allenfalls streiten, aber nicht»identitär« verstän­digen könnten(Kielmansegg 2003). Aufgrund der Unverbindlichkeit politischer Kommunikationsprozesse im europäischen Rahmen, die auf der Basis fehlender Zugehörigkeit operieren, müsste sich das europäische Öffentlichkeitsdefizit gegen politische Intentionen und Willensentschei­dungen weitgehend resistent zeigen. Gegen diese herkömmliche Sichtweise eines Mangels an Transparenz und an identitärer Verständigung und eines Zuviels an Streitkommuni­kation in Europa soll behauptet werden, dass sich ein europäisches Öf­fentlichkeitsdefizit in der für die politische Kommunikation verantwort­lich zeichnenden Qualitätspresse weder eindeutig quantifizieren noch qualitativ im Unterschied zu innenpolitischer Kommunikation eingren­zen lässt. Vielmehr kann ein anhaltender Trend der Europäisierung politisch-medialer Kommunikation nachgezeichnet werden, wobei aller­dings die Dynamik des intermedialen Streites und der Konfliktaustra­gung erst rudimentär angelegt ist. Europäische politische Kommunika­tion zeichnet sich dann durch ein Zuviel an Identitätskommunikation und ein Zuwenig an Streitkommunikation aus. Damit im Zusammen­ipg 1/2006 Trenz, Europäische Öffentlichkeit und die verspätete Politisierung der EU 117