Amerikas neue Energie. Energieaußenpolitik der USA nach Bush JOSEF BRAML M it dem Fachbegriff der»Energiesicherheit«(»energy security«) wurde im angelsächsischen Raum ein neues, mehrere Politikfelder umspannendes Forschungsfeld etabliert(vgl. Kalicki und Goldwyn 2005). Ebenso reift in der amerikanischen Politik und Öffentlichkeit die Einsicht, dass die Optimierung des Zieldreiecks von Energieversorgungssicherheit, wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz eine Umstellung auf eine so genannte»low carbon economy«, also Wirtschaften mit möglichst niedrigem Verbrauch fossiler Brennstoffe, erfordert. In erster Linie geht es in den usa darum, alternative Kraftstoffe und effiziente Technologien für den Transportsektor zu entwickeln. In seiner Ansprache zur Lage der Nation im Januar 2006 machte us Präsident George W. Bush seine Landsleute auf ein»ernsthaftes Problem« aufmerksam:»Amerika ist süchtig nach Öl, das größtenteils von instabilen Regionen der Welt importiert wird«(White House 2006). 1 Dennoch hat Präsident Bush in seiner bisherigen Amtszeit wenig politisches Kapital investiert, um Abhilfe zu schaffen. In den usa herrscht denn auch die Experten- und Lehrmeinung vor, wonach»die Aussichten für eine ernsthafte Reform der Energiesicherheitspolitik schlecht sind, sofern nicht ein gravierender Schock des internationalen Systems eintritt« – etwa der Zusammenbruch der saudi-arabischen Monarchie(Kalicki und Goldwyn 2005: 7). Im Gegensatz dazu legt die vorliegende Analyse der innenpolitischen Faktoren amerikanischer Energieaußenpolitik nahe, dass die durch den steigenden Energiekonsum bedingten Sicherheits-, Wirtschafts- und Umweltkosten die usa veranlassen werden, den Kurs ihrer gegenwärtigen Energieaußenpolitik zu ändern: in Richtung Gewinnung und Handel effizienter und erneuerbarer Energien. 1. Alle amerikanischen Quellen wurden vom Autor übersetzt, wenn nicht anders gekennzeichnet. 140 Braml, Energieaußenpolitik der USA ipg 2/2008
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten