Regierung kontra Kartelle: Der Drogenkrieg in Mexiko KARL-DIETER HOFFMANN M exiko ist seit 20 Jahren der wichtigste Handelspartner der usa in Lateinamerika. Im Jahr 2007 exportierte das nafta -Mitglied Mexiko Waren im Wert von 136 Milliarden us -Dollar über die Nordgrenze – mehr als alle anderen lateinamerikanischen Staaten zusammen (107,5 Mrd.). Eine Spitzenposition nimmt der nördlichste Staat Lateinamerikas indes nicht nur bei der Ausfuhr legaler Güter ein, sondern auch bei Produkten, die den us -Markt auf Schmuggelwegen erreichen. Dabei handelt es sich überwiegend um illegale Drogen. Mexiko produziert und liefert Heroin, Marihuana sowie synthetische Suchtstoffe(v. a. Methamphetamin) und ist das wichtigste Transitland für Kokain aus dem Andengebiet. Die geographische Nähe zum weltweit lukrativsten Absatzmarkt für gesetzlich geächtete Drogen hat in Mexiko mehrere große Schmugglerbanden – sogenannte Drogen kartelle – entstehen lassen, die ihre kriminellen Geschäftsinteressen mit skrupelloser Energie durchsetzen. Seit etwa 2002 macht sich ein verschärfter Konkurrenzkampf in diesem Milieu bemerkbar, der seinen makabersten Ausdruck in der rasch steigenden Zahl der Morde an Mitgliedern der jeweils anderen Banden findet. Im Jahre 2006 wurden 2 400 Todesopfer im Zusammenhang mit dem Drogenhandel und den Maßnahmen zu seiner Bekämpfung registriert, wovon 90 Prozent auf Mordtaten im Binnenbereich der Kartelle entfielen. Im Sog der drogenhandelsbedingten Gewalt werden insgesamt mehr Verbrechen verübt, und insbesondere bei der Gewaltkriminalität(Raubüberfälle, Entführungen) sind enorme Steigerungsraten zu verzeichnen. Nur ein minimaler Prozentsatz der Täter wird gefasst, was die geltenden Gesetze und Strafandrohungen zur Makulatur macht und eine Kultur der Straflosigkeit entstehen ließ. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Besorgnis in der Bevölkerung über die sich rapide verschlechternde öffentliche Sicherheit ordnete Präsident Felipe Calderón kurz nach seinem Amtsantritt im Dezember 2006 gemeinsame Operationen von Militärverbänden und Kontingenten 56 Hoffmann, Drogenkrieg in Mexiko ipg 2/2009
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