Neokonservativer Marktradikalismus. Das Fallbeispiel Irak WALTER OTTO ÖTSCH/ JAKOB KAPELLER D er Beginn der us -amerikanischen Invasion im Irak liegt mittlerweile über fünf Jahre zurück. Dieses Paper versucht die Lage im Irak im Zusammenhang mit dem ökonomischen Denken der»Neokonservativen«(sie bildeten das Machtzentrum der us -Regierung unter George W. Bush) zu reflektieren: Welche ökonomische Programmatik für den Irak lag der Invasion zugrunde? Welches ökonomische Regime sollte eingeführt werden? Obwohl wirtschaftliches Denken bzw. ökonomische Theorie niemals eins zu eins in die Realität umgesetzt werden kann, gibt das Beispiel des Irak seit 2003 die Gelegenheit, die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Auswirkungen marktradikalen ökonomischen Denkens neokonservativer Prägung zu beobachten – und zwar in einer Situation, in der neokonservative AkteurInnen über fast unbegrenzte Machtmittel verfügten. Unsere These: Eine der wesentlichen Ursachen für die Entwicklung des Irak zu einem»Failed State« ist die direkte Anwendung eines unreflektierten(neoliberalen) Markt-Radikalismus. Dieser diente als Maßstab zur wirtschaftspolitischen Gestaltung des Transformationsprozesses und der politischen Nachkriegsordnung im Irak. Neokonservatismus als polit-ökonomisches Programm »Neokonservatismus« ist ein nicht scharf definiertes Konzept, mit der eine besondere Form des Konservatismus in den usa , insbesondere von führenden Vertretern der Bush-Regierung, bezeichnet wird. 1 Dieses be1. In der Regierung George W. Bushs wurden eine Reihe einflussreicher Politiker dem Lager der Neokonservativen zugerechnet, darunter, neben Perle und Wolfowitz: Douglas Feith(Verteidigungsministerium), John Bolton(Außenministerium) und Lewis Libby(»Chief of Staff« unter Cheney). Als ihre»Schaltzentrale« galt unter anderem das 1943 gegründete American Enterprise Institute( aei ), eine 40 Ötsch/Kapeller, Marktradikalismus im Irak ipg 2/2009
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