Die globale Krise an der östlichen Peripherie Europas Platzt die Illusion der Konvergenz? MICHAEL EHRKE O steuropa geht das Geld aus«,»Osteuropa: Drohende Staatspleiten«, »Osteuropa: Krise trifft die Staaten mit voller Wucht«,»Osteuropa: Europas Subprime« – dies sind einige Schlagzeilen der deutschen Wirtschaftspresse, die um die Jahreswende 2008/2009 die besondere Anfälligkeit der östlichen Peripherie Europas für die globale Finanz- und Wirtschaftskrise betonten.»Osteuropa« – von Prag bis Wladiwostok? – wurde wieder als Einheit wahrgenommen. Die Anfälligkeit der Region für die Krise verdeckte die inzwischen übliche Differenzierung zwischen Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern der eu bzw. zwischen Zentraleuropa, Osteuropa im engeren Sinne und Südosteuropa. Dabei fielen vor dem Ausbruch der Krise vor allem die Unterschiede zwischen den insgesamt 29 Ländern, die Osteuropa zugerechnet werden können, ins Auge. Die wichtigste Trennlinie liegt natürlich zwischen den Ländern, die Mitglieder der eu sind oder denen die»europäische Perspektive« zugesagt wurde, und denen, die für absehbare Zeit keine Mitglieder sein werden. Doch auch innerhalb des von der eu bestimmten Raums gibt es deutliche Unterschiede. Was etwa die Integration in die europäischen Märkte über Außenhandel angeht, gibt es eine klare Trennlinie zwischen Zentraleuropa und dem(vor allem westlichen) Balkan. Der Anteil der Exporte am Sozialprodukt liegt in der Slowakei bei 90 und in Ungarn bei über 80 Prozent; im Falle Serbiens machen Exporte nur 22 Prozent des Sozialprodukts aus. 1 Entsprechend unterschiedlich ist die Bedeutung ausländischer Direktinvestitionen, die in Zentraleuropa der treibende Faktor der Marktintegration waren, in den Ländern des westlichen Balkan dagegen quantitativ unbedeutend blieben – im Jahre 2006 entfielen in Zentraleuropa pro Kopf 2.200 Dollar an ausländische Direktinvestitionen, auf dem westlichen Balkan waren es 620 – und sich auf die Bedienung des Binnenmarkts konzentrierten, also wenig zur internatio1. Galgóczi, S. Bela:»Central Eastern Europe Five Years After: From Emerging Europe to Submerging Europe«, etui Policy Brief, 4/2009. 50 Ehrke, Krise an der östlichen Peripherie ipg 3/2009
Aufsatz
Die globale Krise an der östlichen Peripherie Europas : platzt die Illusion der Konvergenz?
Entstehung
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten