Frau
Marie Ju chacz,
Düsseldorf- Oberkassel
San Remostr.3
Nürnberg, den 26. Juni 1952
de in
Liebe Genossin Juchacz!
Leider war es mir nicht möglich, Ihren Brief vom 15.Mai schnellerzu beantworten. Helene Grünberg war nach meinen Erinnerun-gen von Berlin kommend- seit 1905 Frauensekretärin beim Allge meinen Deutschen Gewerkschaftsbund bezw. beim Arbeiter- Sekretariat.Sie hat hier in Nürnberg die Dienstboten- Organisation ins Lebengerufen, die aber nach dem 1.Weltkrieg nicht mehr lebensfähig genugwar. Helene Grünberg war auch Mitglied der verfassunggebendenNationalversammlung in Weimar . Sie hat ungefähr 1928 oder 1929
- vielleicht war es auch noch später- durch Sturz aus ihrer Wohnungim 4.Stock auf die Straße- ihrem Leben ein Ende gemacht. Leidersind alle Akten verloren gegangen.
Ich habe mich nunmehr bemüht, über diese kurzen Angaben, die ichpersönlich machen kann, jemand zu finden, der Helene Grünberg nähergekannt hat. Auch das ist sehr schwierig, weil die meisten, die mitihr zusammenarbeiteten, nicht mehr leben oder bei der ZerstörungNürnbergs nach auswärts evakuiert sind.
Nun ist es mir doch gelungen, eine alte Freundin von Helene Grünberg und zwar die jedenfalls auch Ihnen bekannte frühere Buchhändlerin,Frl. Frieda Wiemer, ausfindig zu machen. Ich habe die Genossin Wiemergebeten, alles das, was sie über Helene Grünberg weiß, Ihnen direktmitzuteilen und hoffe, daß es auf diesem Wege möglich ist, IhremWunsche Rechnung zu tragen.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr
Julius Lostmann