San Remostrasse 3.
Sehr geehrte Genossin J u chacz!
Ihren Brief habe ich erhalten. Bis zum 31. Juli hatte ich mit der Be-arbeitung von Einkommensteuersachen zu tun, habe vom Arbeiter sekretariather immer noch alte Kundschaft, der ich an die Hand gehen muss. Ich habeaber während der ganzen Zeit an der Beschaffung der Unterlagen für IhreSache gearbeitet.
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Inzwischen hat mich auch Frl. Wiemer- Bambergbesucht, sie hat in den Nürnberger Archiven nach Material gesucht und auch vieles gefunden, das sieIhnen selbst zugehen lässt. Das von mir stammende Material fand ich ineinem, von dem Redakteur Georg Gärtner verfassten Buch: Die NürnbergerArbeiterbewegung" 1868-1908, in den Jahresberichten des Arbeitersekreä-tariats Nürnberg und aus eigenen Erinnerungen. Es ist in den Beilagenenthalten.
Bei der seinerzeitigen Bewerbung um die Nürnberger Stelle hat Koll.Grünberg auch einen Lebenslauf mit vorgelegt, der zum Personalakt ge-nommen wurde. Am 9. März 1933 zerstörten aber wilde Nazihorden das ge-sammte Arbeitersekretariat. Alle Möbel, die ganze Bibliothek, alle Aktenusw. wurden mit den gesamten Bureaueinrichtungen zu den Fenstern hinaus-geworfen, im Hofe angezündet und verbrannt.
Der Eintritt der Koll. Grünberg bei uns erfolgte am 1. Juli 1905. Ichselbst habe die Correspondenz wegen ihrer Anstellung mit ihr gefürht.Sie war gelernte Schneiderin und in dem Mode geschäft Gerson in Berlin hbeschäftigt. Für den Scñeider- und Schneiderinnenverband hat sie schonin den Jahren vor ihrem Eintritt bei uns vile Versammlungen abgehalten.War auch im Jahre 1905 wochenlang auf Agitationstouren in Mitteldeuscht=land in den Orten der Konfektionsindustrie. Ich musste damals einigeBriefe nach Herford laufen lassen.
Sie hat dann bei uns und mit uns gearbeitet bis 1924, also ca. 20 Jahre.Im Jahre 1923 und 1924 zeigte sich allgemein, dass ihre geistigen Kräf-te stark nachgelassen haben. Es wurde ihr nahegeelgt in den Ruhestandzu treten. Wir, die Kollegen hatten zuerst gegen die Versetzung in denRuhestand Bedenken. Koll. Grünberg sah aber selbst ein, dass sie geistignicht mehr auf der Höhe ist und nachdem die in Aussicht stehenden Ruhe-standsbezüge ihren künftigen Lebensunterhalt reichlich deckten, erhobenwir keine weiteren Einwendungen. Koll. Grünberg bekam von der Angestelltenversicherung das gesetzliche Ruhegeld, om Bayerischen Versorgungs-verband, bei dem alle Angestellten des Arbeitersekretariats versichertwaren,( volle Beamtenpension). Diese wurde zu 9/10 vom Bayer. Versrogungs
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