Fränk. Tagespost Montag, 9. Juli 1928
Grosse Trauer ist in der Nürnberger Gewerkschaftsbewegungund Nürnberger Uartei/ eingezogen. Eines ihrer treuestenund tüchtigsten Mitglieder ist nicht mehr.Helene Grünberg ist am letzten Samsatag durch eintragisches Schicksal aus dem Leben geschieden. In
einem Anfall geistiger Depression suchte sie den Freitod.Mit iht verliert die Nürnberger MagMgMM
Arbeiterbewegung insbesondere die Frauenbewegung eineeinst hochgeschätzte Kraft. In Berlin 1896 im Alter von22 Jahren in die Bewegung eingetreten und hauptsächlichfür die Interessen ihres Berufsverbandes, des Verbandesder Schneider und Schneiderinnen arbeitend, später
fr die Frauenbewegung im allgemeinen, wurde sie im Jahre1905 unter vielen anderen Bewerberinnen als Arbeiter sekratärinnach Nürnberg berufen, um den Nürnberger Frauen und Artbeiterinnen eine Führerin zu sein. Durch rastlose Tätigkeitund unermüdlichen Eifer ist es ihr gelungen, in kurzerZeit Frauen und Mädchen um sich zu sammeln, darunter vieledie vielleicht sonst nicht in die freie Arbeiterbewegunggekommen wären. Als ihr ureigenstes Werk darf wohl dieGründung der Hausangestelltenorganisation bezeichnet werden.Trotz aller Rückschläge, die beu Organosationsgründungenunvermeidlich sind und bei der Hausangestellren- Bewegungin weit stärkerem Masse in Erscheinung traten, hat sienie den Mut verloren. Sie hat das schwer zu bearbeitendeund wenig Erfolg versprechende Gebiet mit einer Liebeund Hingebung bearbeitet, die bewundern swert war. HelneGrünberg hat erreicht, dass der Nürnberger Hausangestellten-Verein lange Zeit der stärkste Verein im ganzen Reich war.// Den Frauen und Mädchen war sie in zahllosen Fällenhelfender Berater, viele Frauenschicksale wurden ihroffenbart, sie hat immer Mittel und Wege gefunden ihnenhilfreich zur Seite zu stehen."
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Neben der gewerkschaftlichen Bewegung war sie auch in derpolitischen Bewegung tätig, sie hat tausende von Versammlungenabgehalten, und wenn der Teilnehmerkreis noch so klein war, hhat sie versucht Anhänger zu gewinnen. Den Parteitagengehörte sie ständig als Delegierte an und u.a. war sieauch mehrere Jahre Mitglied der Kontrollkommission undauch Mitglied der Nationalversammlung.
Vor etwa 5 Jahren liess die Spannkraft der Nerven so merk-ich nach, dass ihre Arbeitskraft stark beeinträchtigtwurde. Die anfängliche Annahme, dass es sich nur um eineErmüdung der Nerven handle, bestätigte sich leider nicht,es lag ein ernsteres Leiden vor, das ihre Versetzung in denRuhestand im Jahre 1924 nach 20 jähriger Tätigkeit imArbeitersekretariat geboten erscheinen liess. In den letztenJahren gingen die nervösen Störungen teilweise zurück,teilweise traten sie wieder stärker auf. Das Leiden hat.Ihrem Leben im Alter von 54 Jahren ein Ziel gesetzt. Inder Geschtthteder Arbeiterbewegung im besonderen derNürnberger Arbeiterbewegung wird der Name Grünberg mit eherenLettern verzeichnet sein. Sie war eine der energischstenund unerschrockensten Führerinnen der Frauen, und wogalt zu kämpfen, da stand Helene Grünberg in vorderster
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b.w.