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Margarete Trapp

Berlin- Wilmersdorf, den 29.Jan. 1953Deidesheimerstr. 21

Telef.: 83 7991( falls mich jemandbesuchen will, bitte,vorher anrufen lassen.

Liebe Genossin Juchacz ,

auch Ch habe mich über Ihren lieben Brief vom 17.v.M. sehr gefreut.Unsere hiesige Landes- Frauensekretärin befragt jetzt viele Genossinnenaus den Bezirken, in denen nach meiner Vermutung Gertrud Hanaa ihreletzten Lebensjahre verbracht und ihr Grab gefunden haben kann. Wirwollen auch in der" Berliner Stimme" um Auskunft bitten, ich hoffe aufErfolg und gebe eingegangene Angaben baldigst an Sie weiter.Ein junger Amerikaner war leider nicht bei mir, sein Besuch hätte michwirklich gefreut. Allerdings ist nicht ständig jemand in meiner Wohnungmeine, nur stundenweise anwesende, Wirtschafterin läßt niemand ein, densie nicht kennt oder den ich nicht erwarte. Es hier, zudem in einerParterre- Wohnung, größte Vorsicht nötig.

Daß es Ihnen gesundheitlich gut geht, war für mich ein besonderer Grundzur Freude. Ich wünsche Ihnen und mir, daß es so bleibt.Hier haben wir zuviel Kummer mit den Flüchlingen, mein 66 Jahre alterBruder mit seiner Frau mußten auch ihr Haus und Grundstück aufgeben.In der vergangenen Woche war ich ihnen fast täglich viele Stunden unter-wegs. Der Menschheit ganzer Jammer faßte mich an, unter den vielen, vie-len, stumm, still und ergeben Wartenden. Und es sind Leute aus allen Kreisen, ich sah sogar überwiegend Menschen aus den gut gebildeten Kreisen.Was soll werden, wenn Westdeutschland nicht umgehend mehr hilft?Im Polizeipräsidium Friesenstr. saßen auf den wenigen, schlechten Bän=ken meist Frauen und Kinder schlafend, doch die meisten Wartenden mußterstehen. Ich habe mich( als Bezirksverordnete) bemüht, für schnellereAbfertigung zu sorgen, leider aus Mangel an Personal und Mitteln vergeblich. Der Abteilungsleiter sagte mir, daß er sogar im Wege Einsparung"am 1.Februar noch 20 Angestellte abgeben müße! Sofort wandte ich michan unser Fraktionssekretariat im Schöneberger Rathaus, doch leidermüßen unsere Abgeordneten, die dafür in Betracht kommen, zuviel unter-wegs sein. Unsere Frauensekretärin in der Zietenstr. war sehr bemüht,Franz Neumann in der Sache zu erreichen, was geschehen ist, wußte sievorgestern noch nicht. Doch heute Abend sind wir in der Frauenarbeits-gemenschaft zusammen, ich hoffe dann mehr zu hören.Demnächst mehr. Heute recht herzliche Grüße von

Jhrer

Margarete Trappe .