Akte 
Korrespondenz
Entstehung
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Mell in die Zukunft 1 en chten Jhr grösster politischer Führerin den Jahrzehten ihres Aufstiegs war August Rebel. Jeh war un-gemein stolz, dass er s. Zt., als er in Köln redete, Gast inunserer Wohnung war. Jch habe Bebel stets uneingeschränkt ver-ehrt. Er war ein hochbegabter Mensch, der ganz in seiner Missi-on aufging, bei völliger Anspruchelosigkeit persönlich sehrsympatisch. Ja August 1 13 habe ich ihn in Zürich mit zu Grabegeleitet. Einige Briefe von ihn, an mich gerichtet, hi te ichals wertvolles Andenken.

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Aber auch Parteien stehen in Fluss der geschichtlichen Entwicklung. Sie sind ja keine Gebilde in luftleeren Raum, sie sind ab-Xngs hängig von der Umwelt und verändern sich in dem Masse, viediese Umwelt sich vandel t. Jm andern Falle wären sie zur Verkümmmerung verurteilt. Die Welt von heute ist aber gewa tis ver=schieden von jener vor fünfzig oder noch mehr Jahren, Politischwirtschaftlich, sozial und kulturell haben sich seitdem Wendun-gon vollzogen in einen Ausmass, das uns heute nur bei sorgfäl=tiger Rückschau und nur von einem erhöhten Standpunkt aus in sei:ner vollen Bedeutung zum Bewusstsein kommt. Auch die zwölf JahreNaziherrschaft haben tiefe Spuren hinterlassen. Zu alledem hatsich erwiesen, dass die Entwicklung nicht unbedingt in den vonder sozialdemokratischen Theorie vorgeschriebenen Bahnen vorlaufen ist. Der Nachweis dafür würde eine besondere Schrift er for-dern, hier muss der blosse Hinweis genügen, Der geniale KariMarx hat den Kapitalismus nur in seinem ersten stürmischenAufstieg orleht und daraus allzuschnelle Schlüsse gezogen, undseine Nachfolger haben ihre Beveisführung in der Regel auf dieMarx'schen Theorien gegründet. Das L- benswerk von Karl Marx istim Übrigen von einmaliger Grösse. Jn späteren Jahren hat man na-mentlich die towel tie Entwicklung der Technik und die dadurcholiebedingten wirtschaftlichen und sozialen Verschiebungen zu wenigborilcksichtigt; das Gleiche gilt von den Wirkungen der sozialenGesetzgebung. Schom ums Jahr 1903 herum hat Edus d Bernstein,gerade aus dem englischen Exil heimgekehrt, in seiner chriftüber Voraussetzungen des Sozialismus auf jenen anderen Verlaufder Entwicklung nachdrücklich hingewiesen und den Schluss ge=zogen, dass das Endziel nichts, die Beverung aber alles seiDen Alten unter uns sind noch die sehr lebhaften und zum Teiiauch heftigen Auseinandersetzungen in der Erinnerung, die sichun jene Schrift knüpften und die Partei geradezu in zwei Rich-tungen spalteten, in die der Radikalen und die der Revisionisten.wenn wir zu jener Zeit in den entscheidenden Stellen der Reichs-regierung wirkliche Staatsmänner gehabt hätten, dann wirde wohldie Situation dazu a sgenil tzt worden sein, um die Arbeiterbewegung etwas näher an den Staat heranzuführen. Jch brauche nurauf des engliche Beispiel zu verweisen. Die regierenden Stümperverharrten jedoch in ihrer Klassen arroganz und sahen in der 30-zialdemokratie nach wie vor eine vorwiegend polizeiliche Angelegenheit. Jn der politischen Kartel des Kölner Polizeipräsidiumswurde ich mit dem Vermerk versehen:" Sehr gefährlich" Weiterreichte die behördliche Weisheit nicht. Etwa ein Vierteljahr=hundert später, als ich meinen 60. Geburtstag feierte, überreich-te mir der Polizeipräsident diese ehemalige Charakterisierungals sinniges Geschenk. Über die Zukunft der Partei machte auchich mir Gedanken. Nach meiner Erinnerung war es 1912( ich habehier, fernab von der Heimat, keinerlei Unterlagen und kann dahernur einem Gedächtnis folgen), als ich in unserer wissenschaft-11chen Wochenschrift" Die Neue Zeit" einen kritischen Artikelüber eine Politik veröffentlichte, die nach meiner Meinung all-zu sehr an alten schablonen hafte und keine konstruktiven Jdeenerzeuge, Der Artikel wurde in der gesamten Parteipresse disku=tiert, unmittelbare Folgen hatte er nicht, er sollte auch nur zumachdenken anregen. Als wir 1918 überraschend die Mitverantwor

tung in Reich, Staat und Gemeinde übernehmen mussten, machte