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kratie, trotz ihrer glaeubigen internationalen Haltung, in der deutscher und internationalen Politik genau so provinziell, rechthaberisch, unge-wandt, steril war wie die herrschenden Schichten. Es ist richtig, dasswir nie einen konstitutionellen Kaiser hatten. Es ist eben so rich-tig, dass wir nie eine ganz klar entschlossene konstitutionelle Sozial-demokra tie entwickelten. Das wird trotzdem mit tiefer Dankbarkeitund Bewunderung hingeschrieben fuer die aufructtelnde und erzieheri-sche Arbeit, fuer die reformerischen Erfolge, fuer die wegweisende anti-kapitalistische und antimilitaristische Kritik, die von der deutschen Sozialdemokratie geleistet worden sind. Aber an weiser politischerTaktik, kuehner Strategie und dem politischen Machtwillen fehlte es.Es ist richtig, dass der preussisch- deutsche Halbabsolutismus der Fnt-wicklung sta atsmaennischer Ideen und Perscenlichkeiten hinderlichwar, aber auch in der Sozialdemokratie war die Atmosphaere fuer staats-maennische Begabungen erstickend.Sc traten denn Fuehrer und Mitglie-der-das Wort" Massen" ist allzu charakteristisch fuer die nivel-lierende Auffassung jener Tage-ganz unvorbereitet an die im Jahre1918 ploetzlich gestellten Aufgaben heran. Viele waren schwankendnach oben und na ch unten; sie schwankten zwischen rechts und links.Viele ha tten ein schlechtes Gewissen, wenn unwissende Rchlinge" Verrra t" schrieen. Viele waren unfaehig gewissenlosen Demagogen mit derganzen Wucht von Tatsa chen zu antworten, die einer grossartigen so-zialdemokratischen Reformarbeit zur Verfuegung stand. Wie konnte mandie sozialdemokratische Republik aufbauen, entwickeln und mit Koer-per und Seele bis zum letzten verteidigen, wenn bei sozialdemokrati-schen Gruppen, obwohl nicht bei der Mehrheit, die ueblen Schlagwortevon" sogenannter Demokratie oder" formaler Demokratie" oder" kapitalistischer Demokratie" ungingen. Die Vision einer Diktaturdes Proletariats war niemals ganz ueberwunden. Starke sozialdemo-kratische Gruppen halfen den faschistischen und den kommunistischen Tedfeinden der Demokratie, indem sie plakatierten:" Republik das istnicht viel, Sozialismus ist das Ziel." Die einfache Wahrheit ist, dassman das Ziel nie erreicht, wenn einem der Weg zu holprig erscheintund man sein Leben mit den endlosen Suchen nach einem neuen verbringt.Jetzt, so scheint mir aus der Ferne, haben Hitlers Ver wuestungskrieg und die allierten Bombengeschwader eine grosse wirt-schaftliche und soziale Gleichmachung in Deutschland herbei; efuehrt.Ich will die noch bestehenden und die sich wieder entwickelnden sozia-len Unterschiede gewiss nicht verkleinern. Es scheint aber, dass einesehr grosse Mehrheit der Deutschen fuer viele Jahre eine sehr ge-drueckte Lebenshaltung haben wird. Der Aufstiegstrieb der allermeis-ten wird sich unueberwindlichen Hindernissen gegenueberstehen. Daswird das Interesse an und das Verstaendnis fuer eine sozialistischeWirtschaft heben. Die politische Aufgabe der Sozialdemokratie ist,in geduldiger, duldsamer und doch aufwuehlender Arbeit, die Kriegsver-lierer in Deutschland zu einer sozialistischen Volksgemeinschaft zusammeln. In diesem Volkssezialismus muessen, wie nach dem Evangeliumim Christentum, viele Wohnungen sein. Viele sozialistische Richtungenmuessen lernen zusammen zu arbeiten. Die alten Sozialdemokraten mues-sen mit den Neukommenden, zumal den Jungen, ka meradscha ftlich disku-tieren und sie nicht, pestuetzt auf Parteisenioritaet abzukanzelnversuchen. Wahrscheinlich ha ben in der Peziehung diejenigen deut schen Emigra nten etwas gelernt, die eine viel hochere Diskussions-kunst in Grossbritannien und den Vereinigten Staaten beobachten undpraktizieren konnten. Diskussion sollte nicht rechthaaherischerStreit, sondern eine Methode um im Austausch von Gedanken zu neuen Fr-kenntnissen zu kommen. In einem Vertrage wa ehrend der amerikanischen Lehrerwoche in der Universitaet ven Pennsylvanien, der pedruckt undhierzulande weit verbreitet wurde, habe ich vor Jahr und Tag auf denMangel politischer Diskussion in Deutschland , und zar unter jedemRegine hingewiesen. Daruber hinaus ha be ich den Mangel an gutenManieren in menschlichen Beziehungen in Deutschland beklagt. Man musslange in gebildeten Kreisen Grossbritanniens und Amerikas gelebt haben,um zu wissen, was man in dieser Beziehung als Deutscher unzulernen hat.Ich mag z. B. die hier in Diskussionen oft gebrauchte Redewendung" I may be wrong."-" Ich mag mich irren. Solche Wendung nimmt einerAuseinandersetzung die Spitze, die eine totalitacre Rechthabereiprovoziert. Die Deutschen verwechseln allzucft Streiterei mit Dis-kussionen und klaegliche Noergelei mit ufbauender Kritik.
Von draussen gesehen scheint in gegenwaertigen Deutsch land alles provisorisen zu sein: Von den Reichs- und Laendergrenzen an,ueber die fuehrenden Persoenlichkeiten bis zu den politischen Organi-sationen, die un Geltung ringen. Alles liegt in Truener, auch diealte Gedankenwelt, die politische sowohl wie die moralische. Man kann