Akte 
Publizistische Äußerungen
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

5.

Heinrich Sie stehen vor grossen, immer wachsenden Aufgaben. Dazu brau-chen Sie viel Kraft und Frische. Ernste Verpflichtung für Sie sicheinen möglichst grossen Fonds von Kraft und Energie zu gewinnen.Jao Nicht binden an kurzen Termin zur Rückkehr. Keine Rücksicht auf Kosten." In brüderlicher Gesinnung Ihr

Das Du kam ungewollt und arglos. l.ging nach Brunbühl bei Kreuth nahe dem Landsitz der Tante. Geliebtes Bergtal. Brief v.H.

" Mein liebes gutes Schwesterchen, ich freue mich von Herzen Deiner.Wie, wenn man in frischbewegter Luft auf sonnendurchleuteten Wegen durchden duftenden Hochwald schreitet, so wirkt Deine Gegenwart auf mich:erqickend und labend.Lass uns Du liebes Kind in treuer Gesinnung fürimmer festhalten und gegen allge Gefahren schützen, mögen sie aus unse-rem Innern oder von aussen kommen.- Nur dem Anschein nach haben wirden köstlichen Schatz rasch erworben; in Wirklichkeit mussten wir unserganzes langes Leben mit all seinen Schrecken und seinen Freuden durch-gelebt haben, ehe wir einer einer wahren Freundschaft, wie sie Dichund mich verbindet, fähig geworden sind. Aber so schwer und auf so muh-samem Weg auch das seltene Gut erworben wurde, verloren kann es uns dochwieder gehen; gewiss aber nur durch eigene Schuld, denn äussere Einflüssefürwhte ich nicht, Ich zweifle aber nicht, dass ich, wenn ich bestrebtsein werde, immer reiner und besser zu werden, wie ihres Besitzes auchder unzerstörbaren*** Dauer unserer Freundschaft würdigwerden kann........ Es würde mich ungemein freuen, wenn Du mit meinerFrau Dich befreunden würdest. Sie ist eine hochsinnige, in mancher Hin-sicht geniale Persönlichkeit, und davon abgesehen wird, hofe ich, derUmstand, dass ich sie liebe, sie Dir von vornherein wert machen. Siekommt Dir mit immer lebhafterer und bestimmterer Sympathie entgegen."-

Lily findet ruhige Tage innerer Sammlung.Sie schreibt: Schaue aufgeliebte Berge, höre Herdengeläut, Rauschen der Weissach , Tannen- u.Heuduftkleine Fenster, reizend getäfeltes Stübchen.... Worte, mein Freund, gibtes nicht, die Dir sagen könnten, wie ich Dir danke. Ich werde durch Dich,durch Deine Freundschaft ein gesunder Mensch werden, so gesund, dass meineKraft Dich kräftigen soll.- Ich brauche Dir auch kaum zu sagen, was mirhier in meiner Heimat fehlt: Du, der Du jetzt zu mir gehörst, als wärenwir einander nie fremd gewesen im Leben. Wie froh bin ich, dass ich Dirdies alles noch sagen kann: Nicht wahr, Heinz- darf ich Dich so nennen?Du schreibst mir nicht zu selten. Ich werde Dir ganz vorsichtig schrei-ben, um Dich vor jeder Aufregung zu behüten und keine Störung in DeinFamilienglück hinein zu tragen. Wir müssen wie vernünftige, ernsthafteMenschen und nicht wie unerfahrene Kinder auch darüber miteinander reden,und ich will den Anfang damit machen: Ich habe Dich lieb, lieber alseinen Freund, vielleicht so lien, wie hie und da eine Schwester ihrenBruder hat.... Ich habe Dich lieb und möchte Dir die Hände unter dieFüsse legen und möchte Dich da sehen, wo Du hingehörst auf den Zinnender Menschheit, wo die Herführer stehen. Egoistisch wird meine Liebe nurdann, wenn ich Dich bei mir zu hahen wünsche und das ist freilich rechtoft. Ich habe Dich lieb und kann dabei ruhig an Deine Gattin denken,denn ich fühle, dass ich ihr nichts nehme, nichts nehmen will. Beunruhigtwerde ich nur, wenn ich mich frage ist sie so gross, so rein, so frei-- ich weiss nicht, ob ich es in gleicher Lage sein könnte-- um mich,um uns zu verstehen? Genug davon mein Freund. Ich möchte nur, dass wir unsganz ruhig darüber auseinandersetzten. Verlieren freilich kann ichDich nicht mehr, mag kommen, was da will.....

Gelesen habe ich nicht viel.Als ich wach war, hatten meine Gedanken ge-nug Beschäftigung; war es doch ein ernster Lebensabschnitt, als Du meinFreund mich die Stufen hinab führtest, die einst zu meines Lebens gröss-ter Seligkeit führten und die ich nie wieder betreten soll. Auf DeinenArm habe ich mich gestützt, und wenn ich auch sicher auf meinen Füssen stehe, so weiss ich doch nun wo ich die rechte Stütze zu suchen habe,wenn die Wege dunkel werden. Möchte ich Dir nur halb so viel werden kön-nen, wie Du mir bist. Ich fürchte, dieser Brief erreicht Dich erst

-

wenden