Akte 
Publizistische Äußerungen
Entstehung
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1883

Es fehlte den Führenden noch an der nötigen Einsicht, sowie aucham Gemeinsinn und dem Selbständigkeitsgefühl; ein Beweis dafür istschon der statuarische Ausschluss der Fabrikarbeiterinnen sowie anderer-seits die Zulassung von Ehrenmitgliedern aus anderen Gesellschaftskrei-sen- also zwei Klassen von Mitgliedern- in Verbindung mit einem zuvielversprechenden Statut. Für so grosse Aufgaben konnten die geringenBeiträge keineswegs ausreichen

"

Von diesem Verein war ein Häuflein tatkräftiger Frauen zusammen ge-blieben die durch diese Erfahrungen gelernt hatten, wie man es nichtanfangen dürfe, um etwas für die Arbeiterinnen Erspriessliches zu er-reichen. Dass etwas zur Organisierung der Arbeiterinnen getan werdenwerden müsse, gegenüber der fortschreitenden erbärmlichen Ausbeutungder weiblichen Arbeitskräfte, das war bei allen festehend, ebenso aberauch die Ueberzeugung, dass man nur rechnen dürfe mit der Selbsthilfeder Arbeiterinnen

ein

Im Jahre 1883 hielt der Deutsche Kulturbund in Berlin Verein nach dem Muster des" englischen Bundes zur Hebung der Sittlichkeit"***-- öffentliche Volksversammlungen ab in allen Stadtgegenden. DieMitglieder des Bundes, männliche wie weibliche, gehörten den besitzendenKlassen an. Entsprechend der Tendenz des Bundes waren auch die Themengewählt und so wandte man sich zuerst den unteren Klassen zu mitBeratung der Frage:" Wie kann man die Sittlichkeit der Arbeiterinnen

heben?

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Die Referate klangen dahin aus dass man vor allem die polizeilichenSchutzmassregeln gegen die Prostitution abschaffen müsse weil dieseeine Art Anerkennung und staatlicher Regelung dieses traurigen Gewerbes,und durchaus XXXXXXXXXX nicht geeignet seien, bessernd oder ab-schreckend zu wirken und dass die Arbeiterinnen ein spezielles Intressehätten auf Seiten des Bundes mitzuwirken.

Dieser Anschauung traten in allen Versammlungen Arbeiterinnen ener-gisch entgegen, indem sie einfach und schlicht Tatsachen ins Feld führten,tägliche Vorkommnisse, aus denen jeder klar ersehen konnte, die viel-besprochene" Unsittlichkeit der Arbeiterinnen" entspringe hauptsäch-lich den Hunger18hnen und der famosen Anschauung vieler Arbeitgeberdie der Ueberzeugung leben, dass eine Arbeiterin ihnen nicht nur ihreArbeitskraft verkaufen müsse, sondern mit dieser gleichzeitig auch Leibund Seele. Helfen könne hier nicht, dass einige Wohlmeinende sichnachher mitleidig der" Gefallenen?? und aus der Gesellschaft Ausge-stossenen annehmen, sondern es müssen vor allen Dingen die Arbeiterinnenselbst gemeinsam gegen die erbärmlichen Löne Front machen sowie gegenjede unwürdige Behandlung seitens der Arbeitgeber.

Die Prostitution sei einfach eine Gefolgschaft der ungesunden wirt-schaftlichen und gesellschaftlichen Zustände des Klassenstaates und derrechtlosen Stellung der Frauen in demselben, ein Schmarotzer am Lebensmarkdes gesamten Volkes. Diese Debatten bewirkten, dass nunmehr öffentlicheArbeiterinnenversammlungen von diesen selbst einberufen wurden in denenman die Lage der Arbeiterinnen eingehend besprach

Durch diese Versammlungen wurde in allen Kreisen ein ausserordent-liches Intresse erregt%; es war wohl das erste mal das bekannte Ver-treter aller Parteirichtungen ernsthaft mit Frauen über soziale Fragenöffentlich diskutierten. In zahlreichen Versammlungen wurden eingehendeErörterungen über die Stellung der Frauen im allgemeinen geflogendenn die Arbeiterin die wirtschaftlich selbständig sein muss hat dasnatürliche Verlangen dann auch vor dem Gesetz UND VON RECHTSWEGEN alsselbständiger Mensch anerkannt zu werden.Es hat wohl kaum eine bürgerlicheZeitung gegeben die damals nicht ihre billigen Witzchen an die von denFrauen aufgestellten Forderungen geknüpft hat.Ganz besonders

spassig war es tonangebenden Herren, dass die Frauen nicht nur das passiveWahlecht haben wollten, sondern wohl gar auch bald verlangen könnten,in den Reichstag gewählt zu werden!!!