Fabrikat war damals noch so unentwickelt, dass es das englischeNähgarn in keiner Weise, besonders bei feineren Arbeiten ersetzen
5, konnte
Da die Hausarbeiterin der Wäsch- wie Konfektionsbranche das Garnzugeben muss und eine entsprechende Lohnerhöhung bei erhöhter Ausgabefür das Material nicht eingetreten sein würde, so würden die Arbei-terinnen der Hausindustrie fast ausschliesslich den Zoll getragen ha-ben. Auch da, wo wo die Arbeiterin gezwungen wurde, die Zutatenbeim Arbeitgeber zu entnehmen wollte sie überhaupt Arbeit haben,hätten diese ohne Zweifel die Zolldifferenz auf die Arbeiterinnenabgewälzt.
Es wurde daher eine Petition gegen diesen Zoll beschlossen undmit Tausenden von Unterschriften aus ganz Deutschland unterstützt,allen Fraktionen des Reichstags zur Befürwortung überreicht.
Die Petition hatte nicht nur den Erfolg, dass die Zollerhöhungunterblieb, sondern es führten die Debatten darüber auch zur Annahmefolgender Resolution:
" Der Herr Reichskanzler wird ersucht, über die Lohnverhält-nisse in der Wäschfabrikation und der Konfektionsbranche, sowieüber den Verkauf oder die Lieferung von Arbeitsmaterial( Nähfaden)seitens der Arbeitgeber an die Arbeiterinnen und über die Höheder dabei berechneten Preise Ermittlungen zu veranlassen unddem Reichstage über das Erfebnis in der nächsten Session Mitteilungzu machen."
1886Dieser Beschluss wurde gefasst in der Sitzung vom 8. Mai 1886. Aber1887erst im Frühjahr 1896, als bei Gelegenheit des Konfektions- Arbeite-1896 rinnenstreiks erneute Debatten über diese Branche im Reichstag geführtwurden erinnerte man sich der, entsprechend jenem Beschluss veran-stalteten Enquete, deren Ergebnisse bereits im April 1887 dem Reichs-tag übermittelt worden waren 888
"
Es darf die Erweiterung und Verbesserung des Paragrphen 115der Gewerbeordnung, dass die Verabfolgung von Arbeitsmaterial nurzu den ortsüblichen Preisen erfolgen darf, wohl mit Recht auf dieErgebnisse der Enquete zurück geführt werden, durch die nachgewiesenworden war, dass in vielen Fällen die Näherinnen ihr Nähmaterialentnehmen mussten, woraus letztere noch besondere Geschäftsvorteilezogen.
Die so mächtig in Fluss gekommene Arbeiterinnenbewegung fandallgemeine Beachtung. Vertreter aller Parteirichtungen sprachenden Arbeiterinnen ihre Sympathie aus oder versuchten in der einenoder anderen Weise den Verein zu fördern.
Besonders aber von Seiten der der Antisemiten um Stöcker be-mühte man sich, die bis dahin ganz farblose Bewegung in das Fahr-wasser dieser Partei zu bringen.
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Grosse Summen wurden von dieser Seite den Arbeiterinnen zuge-sagt, zur eventuellen Einrichtung von Arbeitsstuben für arbeits-lose Frauen und Mädchen. Doch dieser Köder blieb unbeachtet. DieArbeiterinnen forderten nicht übrige Brocken vom Tische der Satten,sondern auskömmliche Löhne menschenwürdige Behandlung gerechteArbeitsbedingungen. Sie hatten längst Gelegenheit gehabt sich davonzu überzeugen dass die christlichen Ausbeuter der weiblichenArbeitskraft genau so wenig mit den Arbeiterinnen fühlen, genauso viel oder so wenig Gerechtigkeitssinn besitzen, wie die jüdischen;Es stand für sie fest, ihre Feinde sind die Kapitalisten aller Rassen
Die Leiterinnen der damaligen Arbeiterinnenbewegung erschienes etwas sonderlich, dass die Antisemiten erst in neuerer Zeit,1895
1895 bei Gelegenheit des christlich- sozialen Kongresses
an
zum ersten mal