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Genossin( Ottilie) Baader sprach über" die Notwendigkeit des ge-setzlichen Arbeiterinnenschutzes" Ein Referat der Genossin Klara Zetkin hielt ein Referat ueber" Die Stellung der Sozialdemokratieund der buergerlichen Frauenbewegung zur Sittlichkeitsfrage" Damitschloss die Reihe der Vortraege ab..----- Eine hochgehende Begei-sterung charakterisierte die drei Versammlungen und äusserte sichim Laufe der Ausfuehrungen der verschiedenen Referentinnen durchstuermischen Beifall. Langanhaltender stürmischer Applaus bekundete am ScSchluss jedes Referats, dass die uebergrosse Mehrzahl der Versammlungs-besucher der sozialistischen Auffassung zustimmteDass die Versamm-lungen auch in buergerl. Kreisen nicht ohne Eindruck geblieben sind,dass sie manches bis dahin" gutgesinnte" XXX bürgerl.Gemüt zumNachdenken aufgeruettelt haben, das zeigen u.a.die sehr zahlreichenZuschriften, die seitdem eingelaufen sind. Die meisten davon stammen ausbuergerl Kreisen und variieren das Thema:" Ich kam mit grossen Vorurtei-len gegen die Sozialdemokratie in die Versammlung, die erste, die ichje besuchte. Was ich hoerte, hat mein Vorurteil beseitigt. Ich bedaure,wie recht diedass keine buergerl. Frau das Wort nahm, um zu sagen,Arbeiterin hat sich von der buergerl. Frauenbewegung abzuwenden undnur auf die Sozialdemokratie zu hoffen. Ich selbst konnte das nichtaussprechen. Ich erfuhr, dass jede Rednerin der Polizei Namen und AAdresse angeben muss, und die Ruecksicht auf die Stellung meinesMannes hindert mich mit dem Gestaendnis in die Oeffentlichkeit zutreten. Die Versammlung machte mir klar, wie unbedeutend der Inter-nationale Frauenkongress mit seinen Bestrebungen ist, im Vergleich zuder Zozialdemokratie und ihren Zielen."
Solche
Sache Kundgebungen sind ein Gradmesser dafuer, welche Wirkung/die Versammlungen auf buergerl.Frauen ausgeuebt haben. Aber man wuerdedass diese Wirkung genuegensich sehr täuschen, wollte man annehmen,koenne um die buergerl. Fuehrerinnen der proletarischen Bewegung naeherzu bringenDas war nicht zu erwarten und dass es nicht geschehen ist,geht mit voller Klarheit aus den Verhandlungen des Internationalen
1897Brussel FrauenkongressesFrauenkongresses hervor, der im August 1897 in Bruessel stattfand.
Gleich nach der Eroeffnung wurden die Vertreterinnen aller Rich-tungen willkommen geheissen," mit Ausnahme derer, die aufdem Boden des K 1 assenkampfes stehen
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Dass auch die deutschen Frauenrechtlerinnen mit diesem Moduseinverstanden waren, beweist ihre weitere Teilnahme an dem KongressUmsomehrDas geschah ohne jeden Protest gegen diese Eiseitigkeitmuss man verwundert sein, dass dieselben Damen bei einzelnen Punktender Tagesordnung einen Radikalismus zeigten, den man auf dem BerlinerKongress so gaenzlich vermisst hatte.---- Ja, die Leiterinnen desBerliner Kongresses waren es, die in Bruessel Diskussion und Beschluss-fassung beantragten, was man in Berlin ebenfalls-- angeblich-- ausRuecksicht auf die Polizeiaufsicht und Furcht vor Kongressaufloesungvermieden hatte
Fräulein
So trat z.B. bei Besprechung" die Stellung der Frau"( Anita) Augspurg mit der radikalen Forderung hervor, dass der Staat XXXXXXUnterhalt und Erziehung der unehelichen Kinder uebernehmen muesse.Esist dieselbe Dame, die in Berlin behauptete( gegenueber unseren Forde-rungen) man sei noch weit entfernt von der Erfuellung sozialistischerIdeale. In Bruessel dagegen stellte sie gleiche Forderungen auf wiedie Sozialisten.