Akte 
Manuskript "Frauen ihres Jahrhunderts"
Entstehung
Keine Angabe
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Luise Otto ( 1819-1895)

Luise Otto wuchs auf in der Zeit des" Vormärz ", der Zeit in der dasBürgertum um politische Freiheit rang und vom absoluten Königtum zurück=gehalten wurde in angeblich althergebrachter und" gottgewollter" Ab=hängigkeit. Mitbestimmungsrecht im Staat, Gewerbe- Herstellungs und Han=delsfreiheit waren die Ziele des gebildeten und gewerblich aufstreben=den Mittelstandes. Geistes- und Bürgerfreiheit, die Teilnahme am Staats=leben einschlossen, waren die Ideale, für die die studierende Jugendsich in heimlichen Zusammenkünften begeisterte und für die sie verhaf=tet und eingekerkert wurde, wie Fritz Reuter .

Damals wurde in vielen bürgerlichen Familien die geistige Atmosphä=re freier, die frische Luft der deutschen Frühromantik war jetzt bisdorthin gedrungen und vor den Ohren aufhorchender Frauen wurden Gedan=ken laut, die man bis dahin immer als reine Männersache betrachtet hat=te. So auch im Elternhause von Luise Otto . Der Vater war Gerichtsdirek=tor in Meissen . Er entstammte einer sächsischen Patrizierfamilie und hat=te sich seine Frau aus Künstlerkreisen geholt. Mit Interesse nahm Exeran den politischen Strömungen seiner Zeit teil, las Frau und Töchterndas.die wichtigen xx aus der Zeitung vor und liess sie so Lebenihrer Tage, din öffentlichen Problemem kennen lernen. Die Mutter, schön=geistig, künstlerisch interessiert, gab ihrer Tochter Luise Wertvollesmit auf den Lebensweg. Das war eine gute Ergänzung zu der auch in die=sen Kreisen noch recht armseligen Mädchenbildung.

Berichte

als Luise Otto herangewachsen war, erlebte sie das Erwachen desIndustrieproletariats Ende der 30er und Anfang der 40er Jahre. Im An=fang ahnte niemand, dass die im bürgerlichen Lager auftauchende Frauen=frage von jener Seite her neueImpulse bekommen würde. Die soziologischenProbleme der zunehmenden Industrialisierung Deutschlands nahmen zunächstdie Aufmerksamkeit aller, der Sozialisten und ihrer Gegner in Anspruch.Luise war kein Proletarierkind, die Zeitprobleme interessierten sienicht aus perlicher Not. Aber sie war empfindsam und empfänglich, undsie war durch Erziehung noch teilnehmender an ihrer Zeit und ihrer Umge=bung geworden, als sie es ohnehin du ch Anlage war. Ricarda Huch , diegroße, Meisterin der Darstellung allen Zeitgeschehens, schreibt von Luise Otto , sie sei eine liebliche Erscheinung gewesen und dabei die einzigeFrau, die in der 48er Revolution selbständig hervortrat. Die Mutter habeLuise, ihrer jüngsten Tochter ihr künstlerisches Temperament vererbt;wenn auch keine starke, künstlerische Produktionsfähigkeit, so doch dieWärme des Empfindens, den Sinn und die Empfänglichkeit für alles Schöne.Ihrem Lebensgefühl nach sei Luise Otto bestimmt eine Dichterin gewesen.