Akte 
Manuskript "Frauen ihres Jahrhunderts"
Entstehung
Keine Angabe
Einzelbild herunterladen
 
  

Emma

-9-

Ihrer.

( 1857

1911)

Im Jahre 1881, mit 24 Jahren, kam Emma I hrer aus Glatzin Schlesien nach Berlin , voll Bildungshunger und Tatendrang.Sie erwarb sich bald in der Arbeit das Vertrauen von Männernund Frauen, die eine neue Zeit herbeizuführen sich bemühten.Es heißt von ihr, der ersten Führerin der freigewerkschaft-lichen Arbeiterinnen, im Internationalen Handwörterbuch desgenoß das persönli-Gewerkschaftswesens:" Emma Ihrer

in einem, bei dessen zu-

che Vertrauen von Carl Legien rpckhaltender Natur, seltenem Maße und übte dadurch auf diedeutsche Gewerkschaftbewegung großen Einfluss aus, der eben-so auf ihrer Klugheit wie auf ihrem Fifer für die gewerk-schaftliche Sache und auf der Wärme ihres ganzen Wesens be-

ruhte.

Zur Zeit als das Sozialistengesetz galt( Verbot jeder sozialistischen Betätigung) bedeutete die gewerkschaftliche Ar-beit eine Weltanschauung. Die Sozialisten jener Jahre nahmenKampf und gefahr genau so auf sich, wie die Sozialisten vonheute in Ost- Berlin , die ihrer Freiheit, ja ihres Lebenskeinen Augenblick sicher sind: für jeden, der Sozialist warund danach lebte, waren damals Gefängnis, Ausweisung und Ar-beitslosigkeit an jedem Tag möglich.

Emma Ihrer wußte und erlebte das, und trotzdem standsie von Anfang an in Berlin mitten in der sozialistischen Bewegung. Gleich im ersten Jahr beteiligte sie sich an derGründung eines Frauenvereins, der allerdings noch stark dieZeichen dilettierender Versuche aufwies. Zwei áhrliche Frank-furter Demokratinnen hatten statistisches Material über kras-se Ausbeutung weiblicher Arbeitskraft veröffentlicht, Auf-rufe erlassen und Versammlungen veranstaltet. Es kam in Ber­ lin zur Gründung des" Frauen- Hilfsvereins für Handarbeite-rinnen", Emma Ihrer gehörte zum Vorstand. In dem Namen desVereins drückte es sich schon aus, daß man keine Fabrikar-beiterinnen aufnehmen wollte. Die Meinung, auch wohlwollen-der Menschen, war damals vielfach noch, daß Frauenarbeit inder Fabrik eigentlich verboten werden müßte. Die Arbeit un-ter den schlechtesten Arbeitsbedingungen, die nur denkbarsind, zog nicht die Elite der Arbeiterinnen an sondern die,denen nicht snderes übrig blieb, denen andere Möglichkeitenverschlossen waren, gingen in die Fabrik. Die Verhältnissedort wirkten auch nicht gerade veredelnd auf die Arbeiter-<-10-