Akte 
Manuskript "Frauen ihres Jahrhunderts"
Entstehung
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All diesen Frauen begegnen wir immer wieder im politischenKampf; sei es, daß sie wie Margarethe Wengels höhere Funktio-nen im Parteileben übernahmen, sei es, daß sie wie MarthaRohrlack- Tietz Monate im Gefängnis zubringen mußten oderspäetr, nach 1900, auf den Frauen- Konferenzen die Sache dernamenlosen Frauen vertraten, sie alle waren, wie Pauline Staegemann selbst, Kämpferinnen für den Glauben an den Siegder sozialan Gerechtigkeit. In den 80iger Jahren war dieZusammenarbeit der Unermüdlichen und unerschrockenen Frauenein stilles, viel zu unbekanntes Heldentum. Immer wiederhatten sie Polizeischikannen standzuhalten oder der morali-schen und handgreiflichen Gegnerschaft der reaktionärenKreise. Dem Hofprdiger Stöcker hatten sie esbesonders ange-tan, und es war nach einer Versammlung, in der er vergeb-lich um die Frauen zu werben versucht hatte, daß seine anti-semitischen Anhänger den Frauen auf dem Heimweg aus dem Hin-tergrund einen Steinhagel folgen ließen. Als 1886 der neueArbeiterinnenverein aufgelöst wurde, bestrafte man Pauline Staegemann härter als die anderen, weil sie wegen desselbenDelikts schon einmal bestraft war. Sie war rückfällig ge-worden, wie es in der Gerichtssprache heißt.Ebenso wie bei der Mehrzahl der anderen Frauen haben beiPauline Staegemann die leidenschaftliche Liebe zur Idee unddie Hingabe an die Bewegung keinen Augenblick unter den Ver-folgungen gelitten. Sie begann nur mit der Zeit, sich anzu-passen: Da die Polizei die Frauen, die an der Arbeiterbe-wegung teilnahmen und deren Versammlungen besuchten immervon neuem aufs Korn nahmen, zog sie sich einen Anzug ihresältesten Sohnes an. Sie blieb mit dieser Verkleidung nichtallein, manche Genossin machte es ihr nach und gewiß nichtaus Sensationslust.

Gere

Ein Zweig von Paulines sich immer breiter ausdehnenden Ar-beit war die Organisation der Heimarbeiterinnen. Bei dieserArbeit wirkte sie eine zeitlang mit Abnes Wabnitz eng zu-sammen, deren herbes Naturell sie oft durch ihre 1884harmonische Art ausgleichen konnte. Agnes Wabnitz hatte sel-ber alle Not und Sorgen der Heimarbeiterinnen kennengelernt.Sie stammte aus einer ehemals wohlhabenden bürgerlichen Fa-milie Oberschlesiens und hatte eine gute Schulbildung ge-nossen, die ihr aber später, als sie mit ihrer Familie inwirtschaftliche Not kam, wenig nützte. Nach der Übersied-lung nach Berlin versuchte Agnes mit Arbeit an der Nähmae

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