Akte 
Manuskript "Frauen ihres Jahrhunderts"
Entstehung
Keine Angabe
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Entwicklung zu einer Frauenfrage von höchster Wichtigkeitgemacht hat. Sie nannte später ihre Lebenserinnerungen:

Zur Geschichte eines großen Kreuzzuges". Und sie hat wirk-lich ein echtes Martyrium durchgemacht. Aber sie setzte sichdurch und ihr tapferer Einsatz, ihre dateren lautere,starke und dabei sehr weibliche Persönlichkeit haben Eng-land vor den reglementierenden Gesetzen bewahrt, die für dasübrige Europa ein schmutziger Schandfleck waren. Mrs. Butlerversuchte es, den 1875 gegründeten" Britischen kontinentalenund allgemeinen Bund zur Bekämpfung des staatlich konzessi-onierten Lasters" auf die europäischen Länder zu übertragen.Sie hatte Erfolg in Italien , der Schweiz , Dänemark , Schweden ,Holland und Belgien , wo bald Zweigstellen entstanden. InDeutschland versuchte Frau Lina Morgenstern anlässlich desFrankfurter Frauentages 1876 eine Zweigstelle zu gründen,aber der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Frauenvereinsmeinte:

" Daß er seine Entwicklung auf anderen Gebieten nichtdurch die Aufnahme dieser Sittlichkeitsbewegunggefährden dürfe; mit Rücksicht auf seine Mitglie-der, und nach Lage der Dinge überhaupt"

Man überliess es in Deutschland also weiter den Kreisen der" Innseren Mission" sich von der seelsorgerischen Seite herum gefallene Mädchen zu kümmern. Es geschah nichts von demStandpunkt aus, der sich gegen die doppelte Moral richtete,die Mrs. Butler angriff.

1880 nahm G.G. S c h a c k die in Frankfurt 1876 gescheiterteArbeit auf. Sie gründete die Organisation" Deutscher Kultur-bund". Eine Bewegung dieser Art ins Leben zu rufen, wenn dieöffentliche Meinung noch so wenig darauf vorbereitet ist,braucht Zeit. Es gelang ihr von Beuthen aus, das als Zentralegedacht war, und von wo aus sie ihre Vortragsreisen in ver-schiedene Städte antrat, Zweigstellen einzurichten. Aber esblieb zunächst überall noch recht still. Nur in Berlin ginges lebendiger zu, wo sie 1883 eine größere Anzahl von Ver-sammlungen mit Aussprache abhielt. Die Berliner Arbeiterin-nen waren besser vorbereitet als die Frauen in der Provinz,nicht zuletzt durch Bebel's epochemachendes Buch" Die Frauund der Sozialismus", das 1878 erschienen war und von denBerliner Arbeiterinnen eifrigst geben wurde, wie wir vonOttilie Bader wissen. Die Erfahrungen, die Gertrud Guilleaumein den Berliner Versammlungen machte, die neuen Erkenntnisse,die sie in der Diskussion mit den Arbeiterinnen gewann,