Akte 
Manuskript "Frauen ihres Jahrhunderts"
Entstehung
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aufgelöste Arbeiter- Frauen- und Mädchenverein vor, unter An-wendung der inzwischen erworbenen Erfahrungen. Beide Frauenwaren davon überzeugt, daß, wenn erst die Lohnarbeit derFrauen besser organisiert sei und eine soziale Gesetzgebungihre moralischegeschaffen, die allgemeine Lage der FrauWiderstandskraft und auch ihre kulturelle Entwicklungbessern würden; mit anderen Worten, daß das Sein das Be-wußtsein bestimmen würde.

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In günstiger Stimmung wurde der" Verein zur Vertretung derInteressen der Arbeiterinnen" gegründet( siehe auch Pau­ line Staegemann und Emma Ihrer ). Man hätte Gertrud Guilleau-me gern als Vorsitzende gewählt, aber man mußte einsehen, daßes nicht möglich war, da sie ja schweizerische Staatsange-hörige war und der Polizei zu wohlbekannt. So wollte mansie zur Ehrenpräsidentin machen, aber das widerstrebte ihr;sie diente dem Verein als Mitglied mit ihrer ganzen Kraftund Hingabe, solange oder vielmehr so kurz der Verein leb-

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Wieder waren die Arbeiterinnen ohne Mittelpunkt. Sie fandenihn in einer notdürftigen, illegalen Zuflucht, der 1884 ent-standenen" Zentral- Kranken- und Sterbekasse für Frauen undMädchen", die in Offenbach ihren Sitz hatte und viele Zweig-stellen unterhielt, so auch in Berlin . Mit Hilfe dieser Or-ganisation war es für Gertrud Guilleaume möglich, eine Zeit-schrift" Die Staatsbürgerin" herauszugeben, als Bindegliedand Informationsorgan. Es war die erste Zeitung der Arbeite-rinnen, und sie wird als Vorläuferin der" Gleichheit" bezeich-Es erschienen 24 Nummern dieser Zeitung, dann im Juni1886- wird der Name der Zeitung gelöscht. Nachdem GertrudGuilleaume jede Möglichkeit eines fruchtbaren Wirkens inDeutschland genommen war, und nachdem die Polizei endlichGelegenheit fand, sie als lästige Ausländerin auszuweisen,ging sie nach England, wo sie 1903 starb. Ihr Haus dort solleine Zufluchtsstätte für Waisen gewesen sein.

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Ihr Wirken in Deutschland war zu Ende, aber ihr Wesen undihre Bahnbrechende Arbeit auf einem Gebiet, das bis dahin inDeutschland noch keiner in Angriff genommen hatte, bliebenlebendig. Literatur: August Bebel , Die Frau u.d.Sozia-lismus, Verlag Dietz Nachf., Berlin Ottilie Bader, Ein steiniger Weg, Berlin 1921.Anno Bloẞ, Die Frauenfrage im Licht des Sozialis-

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mus, Dresden 1930.

Agnes von Zahn- Harnack , Die Frauenbewegung, Ge-Schichte, Probleme, Ziele, Berlin 1928.

Hilde Lion , Zur Soziologie der Frauenbewegung,Berlin 1928

Handbuch d.Frauenbewegung, Berlin 1901.