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hatte und ihr in Wien Ruhe und Erholung bieten konnte. Daswar sehr nötig, es dauerte Jahre, bis sie die Krankheit über-wunden hatte. Ihr starker Lebenswille und ihr Wissensdranghalfen ihrem Körper; ihr reger Geist sprornte sie an, imWetteifer mit ihren Söhnen zu lernen, die Wissenslücken auf-zufüllen. Sie arbeitete geschichtliche und philosophischeWerke durch und stieß dabei auf Stuart Mill , der sie zumgründlichen Studium der Frauenfrage anregte. Ihr ungewöhn-lich scharfer Verstand half ihr bei der Verarbeitung desschwierigen geistigen Stoffes. Es war ein besonderes Glück,daß ihre Zeit geistigen Werdens mit derselben Periode ihresältesten Sohnes Karl zusammenfiel. Ihm schloß sie sich be-sonders innig an, zusammen mit dem ernsten Jüngling drangauch sie in die politischen Probleme des Lebens ihrer Zeitein. Es war eine bewegte Zeit in Paris brach der Kommune-Ausstand aus, der sozialistische Funke zündete in allen Län-dern, in denen sich der Kapitalismus entwickelt hatte, manlas Marx, Engels , Lassalle und andere Schriften. Damals er-scheen schon eine kleine sozialdemokratische Zeitung in Wien ,die auch ihren Weg zu Kautsky's fand. Der Sohn ging zur Universität, die Mutter lernte mit in der ihr eigenen, sehr weiblichen Weise. Die Teinahme am Geistesleben ihrer Zeit, dieKameradschaft mit ihrem Sohn ließen sie ihre Krankheit fastvergessen. Sie fühlte stark das Glück des Daseins und wurdesich i mer mehr bewußt, welche Sicherheit es dem Menschengeben kann, wenn er das Leben von geistiger Warte aus zu be-trachten lernt. Ein Aufenthalt in den Alpen in jener Zeitvollendete ihre Heilung.
Mit der wiedergewonnenen Gesundheit erwachte such der künst-lerische Schaffensdrang wieder. Aber er hatte eine neue Formgefunden, Minna Kautsky begann zu schreiben. Karl- bie= Wil helm Liebknecht interessierte sich für ihre erste größereschriftliche Arbeit" Ein Proletarierkind". Er erkannte ihrstarkes Erzähler talent und forderte sie zur ständigen Mit-arbeit auf. Damals se redigierte er die" Beue Welt", dieliterarische Aufsätze, Novellen und Erzählungen brachte.Im Sommer 1879 war Minna Kautsky in dem kleinen, damals nochunbekannten Gebirgsort Hallstadt im Salzkammergut . In diesemweltabgeschiednen Winkel fand sie- o Wunder- freiheitlicheIdeen, in religiöser, politischer und sozialer Hinsicht, dievon dem Bauern- Philosphen Konrad Deubler , einem FreundeFeuerbach's in die Arbeiterschaft getragen worden waren.Die Arbeiter von Hallstadt waren intelligent; ihre Arbeit