-28
in der deutschen Sozialdemokratie war einem Meteor gleich.Nach 1892 hat es keinen sozialdemokratischen Parteitag, kei-nen internationalen Sozialistenkongress, keine Sezail sozial-demokratische Frauenkonferenz mehr gegeben ohne die TätigkeitClara Zetkins, bis zum letzten Parteitag vor Ausbruch desWeltkrieges, der 1913 stattfand. Auf keiner dieser Tagungenversäumten sie es, mehrfach das Wort zu nehmen, wenn sienicht, wie auf den Frauenkonferenzen die Leitung hatte undein wichtiges Referat hielt.
Ihre Tätigkeit als Redakteurin der" Gleichheit", des vonEmma Ihrer unter dem Titel" Die Arbeiterin" gegründetenFrauenblattes, die sie von 1892 bis 1916 ausübte, machte esihr möglich, ihren reichen Geist zu entfalten. Aber sie konn-te auch weithin hörbar manches sagen, wozu sie ohne diesesFrauenblatt nicht die Gelegenheit gefunden hätte, obwohl sichder begabten Schriftstellerin leichter als manchem anderendie Parteizeitungen und Zeitschriften öffneten. Ihre 1895erfolgte Wahl in die Kontrollkommission der Partei verstärk-nochte sehen ihre schon gefestigte Stellung. Neben dem darin aus-gesprochnen Vertrauen hatte sie nun eine noch engere Fühlungmit den Parteiorganen und noch mehr Informationsmöglichkei-ten. Wichtiger aber war es, daß derselbe Parteitag einstim-mig den Antrag annahm, daß der nächste Parteitag den PunktFrauenagitation behandeln solle. Als Referent wurde Clara Zetkin bestimmt. Frauenagitation, was hieß das? Was Claradaraus machte 1 Sie warf die ganze Problematik der Frauen-frage auf: Geschichtliches, Soziologisches, ökonomisches,alles, was an sozialen Schäden da war und dem Proletariatund seinen Frauen zu schaffen machte. So faßte Clara ihreAufgabe auf, und so hielt sie dann auch am 16. Oktober 1896auf dem Parteitag zu Gotha ihr großes Referat, das, als Bro-schüre herausgebracht, ein Stück geistiges Fundament für dieFrauenbewegung geworden ist.#
Hier in diesem Referat, und in der Folge auf allen Frauen-konferenzen und Parteitagen, in der" Gleichheit" und wo immersich die Gelegenheit bot, zog Clara die Linie gegen die bür-gerliche Frauenbewegung. Natürlich nicht ganz ohne Wider-spruch, aber dem autoritären Geist und der scharfen Dialektikvon Clara Zetkin war so leicht niemand gewachsen. Auch wo siesich gegen die Popularisierungswünsche für die" Gleichheit"wehren mußte. Viele Genoss- innen sagten uns, daß sie dieLeitartikel der" Gleichheit" garnicht erst zu lesen ver-