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sie und sämtliche Unterzeichner Anklage erhoben. Der Kriegunterbrach die Fahndung nach den Versammlungsteilnehmern.Mi dem 4.August begann ihre und des Freundes Karl Liebknecht Arbeit gegen den Krieg- eine Arbeit die in derFolge auch den Bestand der deutschen Sozialdemokratie ge=fährdete. Die Bemühungen um Verständnis waren auf beiden Sei=ten beeinträchtigt durch den Krieg, der die Verständigungs=möglichkeiten einschränkte. Das Höchste, was es in der demo=kratischen Partei geben soll, nämlich die Meinungsverschie=denheiten offen und kameradschaftlich miteinander auszutra=gen, sowohl schriftlich als auch mündlich, das war in die=ser Zeit des Krieges, der militärischen Diktatur, des Ein=griffs der militärischen Macht durch Dezimierung der Mit=gliederzahl durch die Einziehungen, durch rücksichtslos aus=geübte Militärzensur stark unterbunden. Das schon immer nichtganz freie Versammlungsrecht war noch unfreier geworden. Unddas bei einer solchen psychologischen Zerklüftung, die Miẞ=trauen und Miẞdeutungen zur Folge hatten.
Rosa schrieb seit Januar 1915 ihre Artikel im GefängnisUnter ihrem Einfluss entstand am 1.Januar 1916 der" Spartakusbund, dessen Mitglieder aber in derж** яяяяя Partei blieben.Als sie im/ Januar- für eine Zeit- aus dem Gefängnis kam,sorgte sie als erstes dafür, das ihre im Gefängnis geschriesbene Broschüre unter dem Pseudonym" Junius" gedruckt wurde.sie erregte großes Aufsehen. Infolge einer Demonstrationdes Spartakus bundes am 1. Mai 1916 wurde Karl Liebknecht sofort,und Rosa im Juli verhaftet. Leo Jogiches , der alte, treueFreund übernahm die Leitung des Bundes, Rosas Haft-schondamals Schutzhaft genannt wurde von 3 zu 3 Monaten verlän=gert. Aus diesen Jahren hat sie uns in ihren Briefen an dieFreunde das schönste Denkmal der Menschlichkeit, der Empfind=samkeit der Freundestreue hinterlassen.
Drei Jahre und vier Monate der Kriegszeit hat Rosa Luxemburg hinter Kerkermauern verbracht, wovon nur das Jahr1915 durch eine Verurteilung begründet war. Inzwischen hattesich die längst vorhandene Spaltung der Partei auch nachaussen vollzogen: die Unabhängige Sozialdemokratie konsti=tuierte sich 1917 in Halle. Der Spartakus bund lebte und ar=beitete im Dunkeln weiter. Für Rosa Luxemburg öffnete erstdie Revolution die Tore des Kerkers. Das tragische Ende dieses Frauenlebens nahte. Ob sie es wohl gefühlt hat? In einermeisterhaften Schilderung der Persönlichkeit Rosas kommtBenedikt Kautsky , zu dem Schluss, dass sie nach ihrer ganzenEinstellung und nach jeder von ihr aus dieser Zeit vorliemgenden Kusserung kaum an der Provozierung der Januarkämpfe1919 beteiligt gewesen sein kann. Wie scharf Rosa- selbstvon der Zelle aus- die politische Entwicklung erkannte undbeurteilte beweist ihre Broschüre über die russische Revolu=tion, in der sie den Keim der Fehler Leninex und Trotzkysdamals schon sieht kx und mit prophetischem Blick in dierussische Zukunft blickt.Sie hielt immer fest an der Partei=demokratie und verurteilte, dass die russischen Führer um diebürgerliche Opposition ganz auszuschalten, vom demokratischenPrinzip abwichen." Freiheit ist immer die Freiheit des Anders:denkenden" sagt sie in sex dieser Broschüre.
Am 11.Januar 1919 hatte Rosa eine Zusammenkunft mitFreunden und Liebknecht in der Nähe des Halleschen Tores.Daman beide in Sicherheit wissen wollte, brachte man sie nach