Akte 
Manuskript "Frauen ihres Jahrhunderts"
Entstehung
Keine Angabe
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der unausgeglichen war, dazu an eine Familie gebunden, inder die ältere Generation nicht einsehen wollte, dass mannotwendigerweise mit Vorurteilen brechen mußte, da war derNeuanfang schwierig. Dieser schmerzhafte Prozess zog sichbis tief hinein in das spätere Leben der Frau; denn nichtunternur seelisch, auch materiell mußte Lily Braun dem Wandel ihres Schicksals leiden. Noch nach 17jährigerThe mit dem Schriftsteller Dr. Heinrich Braun trug sie er-hebliche Ehrenschulden für ihren längstverstorbenen Vater

ab.

Noch jung wurde Lily v. Kretschman gegen den Willen ihrerEltern die Frau eines außergewöhnlichen Mannes, des Univer-sitätsprofessors und Sozialisten Georg v. Gizycki. Er warein körperlich schwer leidender Mann, gelähmt, an den Roll-stuhl gefesselt. Weil dieser, von Liebe und Freundschaft ge-tragene Bund, keine Ehe im vollen Sinne des Wortes sein konn-te, hatten sich die Eltern dieser Verbindung widersetzt. Zu-dem war er, wenn auch nicht Parteimann, doch Sozialist undgehörte zu den Kreisen der" Gesellschaft für Ethische Kultur".Er galt als der bedeutendste Führer in diesem Kreise.Der geliebte Freund machte Lily mit einer bis dahin nie ge-schauten Welt des Geistes bekannt, er lehrte sie, diese Weltzu sehen, sie fühlt durch ihn die Strömungen der Zeit. Mitunersättlichem Wissenshunger ergibt sie sich dem Neuen, undbald schreibt sie für die Blätter der" Ethischen Kultur".In einer der Versammlungen der Gesellschaft trifft sie Otti­ lie Baader , als diese dem Redner des Abends, einem Kandida-ten zur Reichstagswahl zuruft: Wenn Sie dasselbe wollen wiewir, warum sind sie dann nicht Sozialdemokrat?" Die kleineblasse Arbeiterin war für Lily ein Erlebnis. Sie hatte da-nach den glühenden Wunsch, selbst öffentlich zu reden. Zu-nächst trat sie dem Verein Frauenwohl bei, dessen VorsitzMinna Mauer führte. Sie glaubte auf die Weise die politischeMündigkeit der Frauen besser erkämpfen zu können, als nur inder" Gesellschaft für Ethische Kultur". Ihr erstes Referatdort im Verein" Frauenwohl", bei dem sie, hochgetragen vonder Begeisterung, ihre Aufzeichnungen liegen ließ und freisprach, und wo sie auch das Vorgehen der Polizei gegen diepolitisch aktiven Arbeiterinnen geißelte, dies Referat war-de von den Zeitungen verhöhnt als" Seitensprung" der FrauTrotzdem wurde Lily in deneines Universitäts - Professors.Vorstand gewäh