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Für diesen Verein, und für eine von ihm ausgehenden Zusam-menschluß aller Frauen in aller Welt wollte Lily OttilieBaader gewinnen. Ottilie aber fand, daß als Agitationsge-biet das Proletariat groß genug sei, auch für die gewaltig-sten Arbeitskräfte. Außerdem zeigte sich bald, daß Ottilierecht hatte, wenn sie glaubte, daß man die proletarischenFrauen auf der bürgerlichen Seite garbnicht dabei habenwollte. Lily mußte entdecken, daß Ottilie recht hatte, undals sie die Frage in ihrem Frauenverein diskutieren wollte,verweigerte man ihr das Wort. Die Enttäuschung hierüber warder letzte Anstoß für Lily, ganz zur Sozialdemokratie über-zugehen. Die Verschiedenheit zwischen Lily und Ottilie hatsich allerdings auch nach Liliy's Übertritt nicht gelegt,sie wuchs sich später sogar zu einer Verstimmung aus.Georg v. Gizycki starb früh. Lily stand nun ohne den Freundden Härten des Lebens gegenüber. Sie wollte weiter arbeitenwie bisher. Sie hatte den Plan, eine Zentralstelle für Frau-en, eine Stelle in der soziales Material gesammelt und durchFrauen bearbeitet werden sollte, einzurichten. Als Lily miteinigen führenden Genossen über diesen Plan gesprochen undum ihre Unterstützung gebeten hatte, trug sie ihn auch Clara Zetkin vor. Doch diese lehnte ihn, des karitativen Grund-charakters wegen ab. Aber sie versprach indirekte Unter-stützung. Sie riet ihr, sich an den Genossen Dr. Heinrich Braun zu wenden, er sei der Binzige, der ihr dabei helfenkönne, und er schaffe alles, was er wolle. Aus der daraussich entwickelnden Freundschaft entstand 1896 Liliy's Themit Heinrich Braun . Damit stand Lily B r a un mitten indem Kampf, der zwischen den geistigen Richtungen der So-zialdemokratie ausgetragen wurde: sie stand mit HeinrichBraun auf der Seite der Revisionisten, ihre Ideen und ihreArt zu denken begegneten sich.
Die Sozialdemokratie war als Partei noch jung. Ihre Ideen-welt baute sich auf theoretischen Erkenntnissen auf. Abersie war als Arbeiterpartei aus den Reihen der, durch denheranwachsenden Kapitalismus aufgewühlten Lohnatarbeiterhervorgegangen. Die Massen, von denen die Sozialdemokratiegetragen wurde, strebteb aus dem Dunkel ihres Elends ansLicht, waren geistig erwacht und litten unter der ihnen auf-gezwungenen Unbildung. Sie stießen auf das große Unverständ-nis der herrschenden Schichten, die sich der brutalsten Ab-wehrmittel bedienten. Heute, nach zwei Weltkriegen und al-