Akte 
Manuskript "Frauen ihres Jahrhunderts"
Entstehung
Keine Angabe
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säuberte die Wohnung, bereitete das Essen vor, und dann wur-de nach der Uhr gearbeitet. Ottilie war jetzt mit dem nichtmehr erwerbsfähigen Vater allein und hat zwanzig Jahre langfür ihn gesorgt.Die Jahre vergingen, ohne daßman merkte, daß man jung war. Ich kann nicht sagen, daß ichimmer froh gewesen bin, schließlich hatte ich auch etwas an-deres vom Leben erhofft."Welche Tragödie liegt in

diesen kargen Worten!

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In der Zeit der Unterdrückung der Arbeiter, deren Krönungdana das zwölf Jahre dauernde Gesetz gegen die Sozialdemo-kratie war( 1878-1898), wuchs/ in aller Stille viele be-wußte Sozialdemokraten heran. Die Baaders, Vater und Tochtergehörten zu denen, die sich durch Lektüre der grundlegendentheoretischen Werke einen Einblick in den Sozialismus ver-schafften." Das Kapital" von Karl Marx war gerausgekommen,auch das" Kommunistische Manifest" war schon erschienen. DieDrucklegung der ersten Auflage von August Bebel's Buch" DieFrau und der Sozialismus" erfolgte 1878. Ottilie besorgteauf Umwegen die Bücher, denn der Vertrieb mußte geheim geschehen. Ein Jahr lang lasen Vater und Tochter am" Kapital".Manchmal las der durch sein körperliches Leiden gedrückteVater ihr vor, und sie sprachen dann über das gelesene1877 schieden Beide aus der Landeskirche aus und traten indie" Freie Gemeinde" über. Ottilie war sicher schon 32 oder33 Jahre alt, als sie zum ersten Male ohne den Vater in eineVersammlung ging. Dort war es auch, wo sie zum ersten Malein der Diskussion sprach. Der Vater, bis dahin zurückhaltendund streng seiner Tochter gegenüber, gab seine Einwände aufund war nun soger stolz auf seine Tochter. Sie begann inKommissionen mitzuarbeiten und war bald eine bekannte Funktionärin der Arbeiterbewegung. Es hat aber noch eine Weile ge-dauert, bis sie sich an selbstständige Referate wagte. Sielernte auch das; denn 1895 sprach sie zugleich mit August Bebel , Wilhelm Liebknecht und Emma Ihrer in zwei Riesenver-sammlungen in Berlin für das Frauenwahlrecht. Sie war nunschon eine anerkannte Rednerin, wurde als solche in Deutsch-1qnd heraum geschickt und lernte viel Neues kennen.. Sielernte, wie die Arbeiterinnen an anderen Orten lebten undarheiteten, wie Verdienst, Arbeitszeit and hygienische Ar-beitsbedingungen waren, Sie lernte die Heimarbeit in ver-schiedenen Gegenden Deutschlands kennen und mußte sie oftgenug als schamlose Ausbeutung feststellen.

Durch das Vertrauen, das sie sich an vielen Orten erobert