Akte 
Manuskript "Frauen ihres Jahrhunderts"
Entstehung
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der Arbeiterzeitung zweimal im Monat erscheinen, und im Ok-tober desselben Jahres übernahm Adelheid Popp die Redaktion,die sie bis zum Überfall Hitler's auf Österreich führte.Tastend, vorsichtig zuerst ging sie den Frauenproblemen nach,bis die Bewegung ihre zielklare Richtung erworben hatte. Eswar für die Frauenbewegung und ihre Zeitung auch innerhalbder Arbeiterbewegung mancher Kampf zu bestehen, bis eine ganzklare Unterstützung und Anerkennung gewonnen war. Die Arbei-terinnenzeitung hatte es nicht leicht, sich durchzusetzen;das national so stark differenzierte Land war ein schwieri-ger boden, und es waren viele und mühevolle Agitationsfahrtennötig, um dem Blatt eine Heimstatt bei den Frauen zu beschaf-fen. e

11s 1918 auch in Österreich die Frauen das Wahlrecht erhiel-ten, zog Adelheid in den Gemeinderat ihrer geliebten StadtWien ein und nachher auch in das Parlament des Landes. Inder" Sozialistischen Fraueninternationale" war sie immer einevorwärtstreibende Kraft und wurde, nachdem Clara Zetkin tumKommunis, us übergegangen war, die 1. Vorsitzende des" Inter-nationalen Frauenkomitees".

Ihr Leben ist nicht leicht gewesen. Wer dieser begeisterungs-fähigen und Andere begeisternden Frau begegnete, konnte sichkaum vorstellen, daß sie eine so schwere Kindheit und Jugendgehabt hatte. Ihren Mann hatte sie verloren, als ihre beidenKinder noch klein waren, und zu der Sorge um sie kom die Sor-ge für die nicht mehr arbeitsfähige Mutter. Daß sie von die-ser Mutter niemals begriffen wurde, gehörte auch zu denschmerzlichen Dingen, die sie zu tragen hatte. Ihr geliebterältester Sohn fiel im ersten Weltkrieg, der zweite starb mitdreiundzwanzig Jahren an einer tüvkischen Angina. Als 1934die Arbeiterbewegung in Österreich niedergeschlagen wurde,zerbrach ell das, was ihr teuer war, und woran sie lebens-lang mitgebaut hatte. Si vegetierte nur noch zwischen Kran-kenhaus und Rekonvaleszentenheim. Sie starb am 9. März 1939,und so blieb es ihr erspart, zu erleben, dass auch Österreich durch Hitler's Gewaltherrschaft gehen mußte.

Literatur: Verschied. Bände der" Gleichheit".

Jugendgeschichte einer Arbeiterin v. Adelheid Popp München 1930

Das Denkmal der unbekannten Proletarienin, Klein-berg- Fanny Blatny , Karlsbad 1937

Persönliche Mitteilungen österreichischer Ge-nossinnen.