Akte 
Manuskript "Frauen ihres Jahrhunderts"
Entstehung
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hielt Henriette Fürth nicht ab, in der Diskussion im Gegen-satz zu Clara zu behaupten, daß viele unserer Frauenforderungenauch vom linken Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung vertretenwürden, und daß man manchen Weg mit ihnen zusammen gehen könne.Sie hatte die glücklichen Gaben des Geistes und des Temperamentssowie der Unabhängigkeit, mit denen sie sich als Persönlichkeitbehaupten konnte. Sie brillierte nicht mit ihrem Wissen, war im-mer ruhig, sicher, sachlich und äußerte sich niemals überspitzt.Sie empfand es als einen Erfolg ihrer Bemühungen, daß die erstesozialistische Frauenkonferenz, 1900 in Mainz , in eine Entschlie-Bung zur Frage der Mitarbeit mit der bürgerlichen Frauenbewegungeagte:

..... es soll nicht länger verpönt sein, wenn die eineoder andere Genossin hier und dort mitarbeitet; wennsie es aus sachlichen Gründen für richtig hält, bliebtbleibt es dem Takt der Pinzelnen überlassen."

Henriette Fürth bewegte sich immer in diesen liberalen Frau-enkreisen und zwischen den bürgerlichen Reformern, als wenn siezu ihnen gehörte, ohne eber je ein Hehl daraus zu machen, daß sieSozialdemokratin war. Unwiderstehlich stark war in ihr das Be-streben, sich mit allen Frauenfragen auf der sozialpolitischenEbene zu befassen. Wie bei allen Menschen mit weitem Gesichts-feld unf praktischem Sinn stand bei ihr neben der Tatsache dersozialen Not gleich die Frage nach dem Wie der sozialen Hilfe.Ihre Broschüre" Fabrikarbeit verheirateter Frauen" wurde 1902als Material verbreitet. Auf dem Kongreß der" Gesellschaft zurBekämpfung der Geschlechtskrankheiten" 1903 verlangte Henriette Fürth die Eindämmung der Prostitution durch soziale Maßnah-

men.

Bei der Intensität ihrer Arbeit wurde sie als Sozialpolitikerinbald bekannt. In der Zeitschrift" Beue Welt" arbeitete sie mit,später auch in der von Rudolf Hilferding im Auftrage der So-zialdemokratie herausgegebenen" Gesellschaft". Ihrer Überzeugungfolgend, daß man mit den wohlwollenden bürgerlichen Frauen mit-arbeiten solle, schrieb sie auch in der Zeitschrift der bürger-lichen Frauenbewegung" Die Frau", herausgegeben von Helene Lange und Gertrud Bäumer . Dort veröffentlichte sie eine Arbeit" Überdie Iddee des Rechtsschutzes für Frauen". Sie arbeitete selbstan einer Stelle für Rechtsschutz für Frauen mit; das war damalsein großer und wichtiger Arbeitszweigt der praktischen Hilfstä-tigkeit für Frauen. Die Frauen waren in vielen Punkten rechtlos,aber was beinahe noch schlimmer war, cherkant die Rechte

nicht, die sie hatten. Deshalb halfen und SPD

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