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ner Frauenkonferenz( 1920) dne Männern noch etwas besonderesins Stammbuch, was heute gilt wie damals:" Intellectuell tre=ten die Sozialdemokraten natürlich für die individuelle Ent=wicklung der Frauen ein, für ihre wirtschaftliche und sozia=le Befreiung; denn sie wissen, welche Gefahr für die soziali=stische Entwicklung das Gegenteil bedeuten würde.Aber diegroße Masse der organisierten Arbeiterschaft ist in ihrem HHerzen nicht für die Befreiung..... Der Geschlechtsstolzträgt den Sieg über die Prinzipien davon."Niemand nahm Toni derartige Attacken übel, selbst Otto Wels nicht, den sie einmal wegen seiner scharfen Kritik der Jung=sozialisten angriff.Ganz eindeutig und unbezweifelbar standihre saubere Gesinnung hinter ihren Worten und ihrem Wollen.Ich habe nicht erlebt, daß sie mit ihrer Kritik auf belnehmengestoßen wäre; niemals hat sie sich beklagt, daß sie- die dochaus keiner ganz anderen gesellschaftlichen Schicht kam, sichfremd und unwillkommen fix fühle. Die Frauenbewegungwar wohl nun endlich über dies Stadium hinausgewachsen.Der große Kummer ihrer letzten Lebensjahre war ein anderer.In diesen Jahren der intensiven Arbeit im öffentlichen Dienstüberfielen uns alle die Schatten des Kommenden. Toni gehörtezu der Schar derer, die sich keine Illusion über die Zukunftmehr machten. In ihr verband sich die weibliche Intuitionmit einem großen Wissen und ihrer menschlichen Reife zu ei=ner Urteilsfähigkeit, vor der man oft stumm werden mußte.Als nach dem sogenannten Umbruch die zweite Reichstagssit=zung unter Hitler stattfinden sollte, fuht sie noch einmalnach Berlin . Nicht, um an der Sitzung teilzunehmen, sondernum der sozialdemokratischen Rumpffraktionst davon abzuraten.Auf der Rückfahrt von Berlin nach München machte sie denersten Versuch, aus eigenem Willen für immer einzuschlafen.Aber die Zeit hatte nicht ausgereicht, um es gelingen zu las=sen. Nach einigen Wochen Krankenhaus wurde sie nach Hauseentlassen, wo sie jetzt bessere Vorsorge treffen konnte, umungestört den letzten Weg zu gehen. Ihre nächsteb Freunde ha=ben immer gewußt, daß diese Frau einen einaml mit Überlegunggefaßten Entschluß auch durchführen würde.
Der Tod ist nicht das letzte Wort, das über das Leben gespro=chen wird.
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