Akte 
Manuskript "Frauen ihres Jahrhunderts"
Entstehung
Keine Angabe
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Voraussetzungen, daß es die Zuhörer tiefer anpackte, als allesPathos. Die Folge ihres Vortrages war, daß Berliner Ärzte, vorallem unser Neuköllner Arzt Dr. Silberstein kommunale Mütterbe-ratungsstellen ins Leben riefen mit Stillbeihilfen für Mütter.Das war ein wertvoller Anfang in der Bekämpfung der Säuglings-sterblichkeit. Es wurde hier einmal diese wichtige Aufgabepraktisch angepackt, aber auch die Mütter geschult. Durch diegroßzügige Aufklärung der Öffentlichkeit wurde das Gewissenaller geschärft, den Wert des geborenen Lebens zu erkennen undzu erhalten. Das war so recht ein Arbeitsfeld für Clara B.- Sch,ihre Jahre vergingen in unermüdlicher, dankbar als schönempfundener Arbeit.

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Während des Krieges arbeitete Clara auf all den Gebieten, aufdenen sie sonst auch gearbeitet hatte, nur mit mehr Zeit, denn1hr Mann stand als Pionier im Felde. Sie hatte dabei viel, lei-der allzuviel Gelegenheit, das Versagen des Staates gegenüberden im Krieg in bittere Not geratenen Menschen festzustellen." Die Kinder im Weltkrieg" heißt eine kleine Broschüre, die da-mals entstand, und die uns noch heute einen lebendigen Ein-druck giebt von der Kindernot Berlins - vor dem Kriege, undverschärft beim Ausbruch und mehr noch während der Dauer desKrieges. Clara sah diese große Kindernot mit ihrem verstehendenmütterlichen Blick, aber zugleich mit der Erkenntnis eines sichmitverantwortlich fühlenen Mitgliedes des Staates und dermenschlichen Gesellschaft.

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Nach der unseligen Parteispaltung 1917 gehörte Clara zu denen,die tatkräftig beim Neuaufbau mitarbeiteten. Ihr Name standmit unter einem Aufruf" Die Frauen und der Friede" der am26. Oktober in" Vorwärts" abgedruckt wurde. Nach Clara Zetkin's Austritt aus der alten Partei übernahm sie die Bürde, die" Gleidheit" zu redigieren. Sie tat es bis zum Herbst 1922, als derParteivorstand einen Versuch mit einer anderen Zeitungsform be-schloss. Sie hatte überreichlich Arbeit, denn sie gehörtelängst dem Reichsausschuß für Sozialistisches Bildungswesen.an, auch dem Sozialistischen Kulturbund. Im Mai 1919 wurdesie von der Sozialdemokratischen Fraktion der Natinalverslg.dazu bestimmt, in der großen Sitzung im Aulagebäude der Ber­ liner Universität zum bevorstehenden Friedensvertrag zu spre-chen." Das Leid der Fra en war international, solange derKeige Krieg tobte....., sagte Clara B.- Sch. und appelliertean die Menschlichkeit der Entente- Regierungen. Dem Fräsidiumdes Reichstags gehörte die von 1920 bis 1933 an und war Mit-

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