wo sie mit Mat und Leidenschaft gegen Eduard Bernstein pole-misiert, der, früher Vertreter des revisionistischen Flügelsder Partei, während des Krieges sich zu den Verweigerern derKriegskredite gesellt hatte. Nun war er zur SPD zurückgekehrtund verteidigte seine Wandlung.)
Dem nun perfekt gewordenen Frauenwahlrecht standen wir ziemlich unvorbereitet gegenüber. Wir hatten uns in den Jahrzehn-ten vorher darauf beschränken müssen, die Schäden aufzuzeigenund Abhilfe zu fordern. Zwar hatte der Krieg vielen von unsdie Möglichkeit gegeben, sich an der sozialen und kommunalenArbeit tatkräftig zu beteiligen, gerade derum aber hatten wirerkannt, daß die bürgerliche Frauenbewegung für diese Arbeitviel besser vorgebildet sei, denn sie hatte die durchschnitt-lich bessere Vorbildung und die reicheren materiellen Mittel.Diese Erkenntnis war für uns Sozialistinnen erschütternd, wennwir sie auch noch nicht ganz durchdacht hatten. Anna Blos setzte sich 1919 auf unserer Frauenkonferenz für eine größereAnzahl besoldeter Frauenkräfte ein; denn sie war der Ansicht,daß es für viele Frauen zu schwer sei, die notwendige Zeitfür die jetzt zu leistende Arbeit aufzubringen. Das war trotzallem nicht ganz richtig: Sie hatte noch nicht die organisa-so sehr es auch immer er-torische Erfahrung gemacht, daß-wünscht ist wirtschaftlich freigestellte Kräfte in eine großediese Be-geistige und pht politische Bewegung einzubauenwegung trotzdem von einer großen Zahl von ehrenamtlichen Mit-arbeitern getragen werden muß. Sie fühlte nur schmerzlich,den Bildungsvorsprung, den die bürgerliche Frauenbewegung vorder sozialistischen hatte. Wir haben dann später andere Wegegefunden, um Bildungsmöglichkeiten dieser Art für Frauen derArbeiterklasse zu schaffen. Wir brachten dazu die Ansprüchean Wissen und Können nicht herabzusetzen, und wir können nochheute Frauen wie Anna Blos dankbar dafür sein, daß sie 1919gezeigt haben, wo es bei uns fehlte.
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Nach dem Tode ihres Mannes gab sie das anregende Buch" Frauender Deutschen Revolution 1848, 10 Frauenbilder" heraus, dasnoch mit Wilhelm Blos besprochen war, und in Zusammenarbeitmit Adele Schreiber , Buise Schröder und Anna Geyer " Die Frau
im Lichte des Sozialismus".
Anna Blos war gesundheitlich zart, nervös, von Kopfschmerzenund häufiger Migräne geplagt. Das und ihre Sensibilität mach-te den Umgang mit ihr manshmal schwierig. Sie stand fast immerunter dem Eindruck, zurückgesetzt, nicht genügend anerkanntzu sein. Sie fühlte eine Kluft zu den Angehörigen der arbeiten-