Akte 
Manuskript "Frauen ihres Jahrhunderts"
Entstehung
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Gertrud Hanna.

( 1876-1944)

Internationalen

Im/ Handbuch des Gewerkschaftswesens ist, im Abschnitt über

Gertrud Hanna

von der" anmutigen Sachlichkeit" ihres Auf-

tretens" die Rede. Das war der Eindruck, den sie bei der Ar-beit und im Umgang mit Fernerstehenden erweckte und erweckenwollte. Wenn sie aber einmal in vertrauter Stunde- bei ihrerZurückhaltung und Sprödigkeit selten genug- einen Blick in ihrInneres gestattete, der war tief erschüttert, was sich hinterder Haltung anmutiger Sachlichkeit verbarg, was neben dem fei-nen, klugen Humor in dieser Seele an Schwermut Platz hatte.Heute lehrt uns die psychologische Wissenschaft, dass Erlebnisseder Kindheit ein ganzes Menschenleben beschatten können. Daswird mir bei der Erinnerung an Gertrud Hann a recht wahr-scheinlich.

Die Mutter war in Armut und Sorge sehr hart geworden, zu hartfür ein so weiches und liebebedürftiges Kind, das die Lieblosig-keit viel stärker als den leiblichen Hunger empfand. Vom Vaterschien Gertrud's Erinnerung wenig bewahrt zu haben, sie sprachkaum von ihm. Sehr früh ging sie in die Erwerbsarbeit, mit 14Jahren war sie Buchdruckerei- Hilfsarbeiterin. Sehr bald wurdeauch sie von dem gewaltigen Strom erfasst, der die Frauen undMäd- chen der Arbeiterklasse jener Jahre so stark anzog. DasWort" Sozialismus" wirkte wie ein strahlendes Licht. Gertrud Hanna war klug und fleißig; das wäre nichts besonderes, abersie war auch, was Frauen nicht häufig sind, sachlich, beschei-den und gründlich. Das waren Eigenschaften, die eher als männ-lich gelten, und Frauen, die sie haben sind zwar angesehen imLeben, aber selten glücklich.

Gertrud war früh iherer Gewerkschaft beigetreten, dem Freige-werkschaftlichen Verband der Buchdruckerei- Arbeiterinnen. Da-durch kam sie in Berührung mit der Gewerkschaftsarbeit, und 1907wurde sie Sekretärin eines Arbeiterinnen- Komitees, das die Ber-liner Arbeiterinnen in ihrer praktischen, lebendigen Art ange-regt hatten. Es war der Art der Arbeit nach ein Agitations- Ko-mitee, und wurde auf dem Gewerkschaftskongress in Stuttgart ( 1902) geschaffen. Earl Legien erwähnt es 1905 in seinem Rechenschaftsbericht. Das Komitee wirkte in aller Stille aber rechtkräftig unter den Arbeiterinnen und seine Anregungen wurdenstets berücksichtigt. Daß seine Existenz unte in dieser dunk-len Zeit unter den Fittichen der Gewerkschaft ermöglicht wurde,ist ein gutes Zeugnis für den fortschrittlichen Geist und die