Akte 
Manuskript "Frauen ihres Jahrhunderts"
Entstehung
Keine Angabe
Einzelbild herunterladen
 

86-

eine sehr schmerzliche Erinnerung. Niemand schien bis vor kur-zer Zeit über ihre letzte Lebenszeit etwas ganz sicheres zuwissen. Der Nationalsozialismus nahm ihr die Existenz. Das waralles, was wir erfuhren. Sollte ein Menschenleben, das so wenigfür sich, immer für andere da war so spurlos untergegangen sein?Nach langen mühevollen Nachforschungen gelang es mir schließlichfestzustellen, daß Gertrud zusammen mit ihrer Schweser Antonieam 26. 2.44. den Freitod gesucht und gefunden hat. Es hatten-vor Hitler noch zwei Schwestern von Gertrud existiert; siehatten zu Beginn der Hitlerzeit in ihrer Wohnung einen Selbst-mordversuch unternommen, wobei eine der Schwestern starb. Mitder überlebenden Schwester zog Gertrud zusammen nach Berlin-Haselhorst. Dort schlugen sich beide mühselig mit Flickarbeitendurch. Wie es scheint, hat man Gertrud auch noch mit" Verhören"gequält und sie gezwungen, in der Volkswohlfahrt mitzuarbeiten.Das alles scheint sie reif gemacht zu haben, diesen letztenSchritt zu tun.

Uns bleibt das quälende Bewusstsein, dass diese schon an sichzur Einsamkeit hingetogene Frau in ihrer letzten Lebensnot ent-setzlich einsam und verlassen gewesen sein muss. Die Prüchteihrer Lebenesleistung erntet die heutige und die künftige Frau-

engeneration.

Literatur:" Internationales Handbuch des Gewerkschaftswesens"Verlag Gewrkschaftskommission der Gewerkschaften

Deutschlands .

Emma Ihrer , Die Arbeiterin im Klassenkampf,Verlag siehe oben.

Paul Barthel , Handbuch der Deutschen Gewerkschafts-kongresse, Verlag Kaden, Dresden .

Paul Umbreit , 25 Jahre Deutscher Gewerkschaftsbe-wegung, Berlin 1915.

Karl Zwing, Geschichte der Deutschen Gewerkschaften,Jena .

Anna Blos , Die Frauenfrage im Lichte des Sozialis-

mus.

Gedruckter Vortrag von Gertrud Hanna , gehalten aufder Internat. Frauenkonf. 1927 in Paris .

Protokoll der Tagung der Arbeiterwohlfahrt überSozialismus und Bevölkerungspolitik, 1926 in Jena .